Jeden Tag, jeden Augenblick herrschte Zank zwischen Donna Michela und dem alten Schwachkopf, sie schimpfte ihren Mann mit unflätigen Worten, und er schluckte das alles in stillem Ärger hinunter. Diese häßlichen Szenen mißfielen mir und als ich dem Schwachkopf das sagte und ihn zur Rede stellte, antwortete er:
»Was willst Du? Sie ist aus Spilinga und in dem Schmutz des Schweinehändlers von Spilinga aufgewachsen, und vollgepfropft und vollgestopft mit den Ansichten ihres vieledlen Onkels Ruina, der auch so ein Schwein ist! Sie hat mir gedroht, mich von ihren Brüdern umbringen zu lassen.«
»Was, und das glaubst Du? Du fürchtest, daß die halbblinden Spilingoten Dich umbringen? Aber Mensch, Du bist ein Weib oder ein Hornvieh, Du fürchtest Dich, daß Deine Michela Dich könnte ermorden lassen! Und von wem? Von den Spilingoten? Eher glaube ich, daß Donna Michela Dich selbst umbringt, mit ihren dicken, fetten Hinterbacken!«
»Ich fürchte mich vor ihren Brüdern.«
»Elender Wicht, feiger Bruder! Was nützt Dir das Leben, wenn Du nicht einmal soviel Mut hast!«
Die elende Bestie erzählte mir, in welcher Weise er von den Brüdern der Michela gequält, geärgert und geschunden wurde.
Eines Tages gingen der Schwachkopf und ich nach Spilinga, um meine Schwestern zu besuchen; die eine hatte den Antonio M… zum Mann, über diese kann ich mich nicht beklagen, sonst fehlte es ja nicht an Gelegenheit, aber er kümmerte sich nie um meine Angelegenheiten.
Ich mußte vor Lachen bersten, als ich den Giuseppe, den großen, dicken Giuseppe sah, den Mann meiner anderen Schwester. Nach seinem riesenhaften, kolossalen Aussehen machte er zuerst den Eindruck wie ein großes Tier beim Gericht, ein Koloß von Knochen, Fleisch und Nerven, eine lebende Maschine; eine große Nase hatte er, mit mächtiger Brille, die er sich mit wichtiger Miene aufklemmte, als ob er Wunder was wäre, aber es war nur Albernheit, denn ein dicker Mann, ein dummer Mann, wie das Volk sagt; selbst in meinen langen Unglückszeiten sah ich nicht ein so dummes Vieh, wie meinen stumpfsinnigen Schwager, den großen Giuseppe.
Für gewöhnlich ritt er seinen Maulesel, als fahrender Ritter; das arme Tier! alle Halbjahr wurde es gepfändet und von den Karabinieri nach Tropea gebracht, gepfändet wegen rückständiger Steuern, das unglückliche nichtsahnende Vieh, das aber weniger dumm und unwissend ist als sein Herr, dies Erzvieh!
Er hatte struppiges Haar, eine Stirn, Augen wie ein hungriger Wolf, einen nußfarbenen Bart, dicke Lippen, einen großen, krummen Mund, häßliche Zähne, einen Hals wie ein Stier und ein Gesicht wie ein verunglückter Hanswurst; damit ist seine physische Beschaffenheit geschildert, was die moralische betrifft, so war er ein ausgemachter Esel, ein liederlicher Schreier, ein gemeiner Verräter, ein schmutziger Filz, auf dem Mist geboren und bestimmt, dereinst auf dem Mist zu verenden.