Meine Schwestern kamen mir freundlich entgegen, sie sprechen nur von Schweinereien, Keilereien, Prügeln, Faustschlägen, Ohrfeigen, Fußtritten u. s. w.: »Sage mir, mit wem Du umgehst und ich werde Dir sagen, wer Du bist.«
Nach zwei Tagen war ich müde, ihre Renommistereien, Donquixoterien anzuhören, ich kehrte zurück, und lachte über ihre Albernheiten und beklagte den armen Schwachkopf, der soviel Angst vor ihnen hatte.
Ganze Tage lang lief Donna Michela herum mit ihren bloßen Brüsten, die aus dem Schlitz des Kleides heraushingen, und lag im Fenster, um sich zu zeigen, immer hatte sie die Hände im Schoß oder streichelte ihre wackelnden Hinterbacken. Nie nahm sie eine Nadel in die Hand und sie that wohl daran, denn sie konnte doch den Faden nicht einfädeln. Auch kochen konnte sie nicht, wo hätte sie in Spilinga kochen lernen sollen; ich muß noch lachen, wie sie mir einmal ein Hemd geflickt hatte, es war ein Meisterwerk, das nach Paris oder New-York auf die Ausstellung gehört hätte; nie sah man sie spinnen oder stricken oder ein Möbel abwischen, wie es einer guten, fleißigen Hausfrau zukommt; sie wusch weder sich noch ihre Kinder, die voll Dreck und Läusen und Schmutz herumliefen.
Sie war gewohnt, ihren lieben Mann mit Ohrfeigen, Fußtritten und Schimpfworten zu behandeln, sie beherrschte alle im Hause, die Einnahmen und Ausgaben gingen durch ihre Hand, und wenn der schwachköpfige Affe sich für zwei Soldi Tabak kaufen wollte, mußte er sein liebes Weibchen erst bitten, ehe sie es ihm unter einer Flut von Schimpfworten gewährte.
Ich, der ich sie kannte und richtig schätzte, hütete mich vor ihr und war entschlossen, wenn sie mir zu nahe käme, ihr einen Schlag ins Gesicht oder einen Tritt in den Hintern zu geben. Ich bat den armen Schwachkopf wiederholt, sich als Mann zu zeigen, und den dreckigen Unterrock, den er sich hatte über den Kopf stülpen lassen, abzuwerfen. Meine Ermahnungen waren fruchtlos, er konnte nicht los, er saß fest drin und ließ sich Leib und Seele fesseln, der Ärmste!
Jeden Augenblick schrie, zankte, fluchte und schimpfte sie; einmal, als gerade die kräftige Faust der Donna Michela dem armen Schwachkopf auf die Nase sauste, warf sich meine Tante, die alte kindische Nonne dazwischen: ein mächtiger Fußtritt schleuderte sie auf das Pflaster, daß sie die Beine in die Luft streckte; aber schnellfüßig erhob sie sich wieder und sprang wieder zwischen die kämpfenden Gatten, ein neuer Fußtritt, ein Schlag ins Gesicht brachte sie wieder aus der Schußlinie; ich stand dabei und wartete gespannt auf das Ende dieser liebevollen Eheszene, und lachte, lachte aus vollem Halse.
Ein edles Weib!
Nie habe ich in Stadt und Land ein so niederträchtiges Weibsstück gesehen, wie Donna Michela, einen solchen Haufen von Gemeinheit und Schmutz.
O Mastriani, Du hättest die Scheußlichkeit dieses verkommenen Geschöpfes schildern müssen, und Du hättest ein Meisterwerk geschaffen, das Deine »Bettlerin«, Deine »Geheimnisse«, tausendfach übertroffen hätte; ich weiß nichts und kann nichts, meine Feder vermag meinen Gedanken nicht zu folgen; aber andererseits, eine einfache Schilderung wird auch vom einfachen Menschen verstanden, der die Schriften eines Dante, eines di Vico, eines Manzoni und anderer Genies nicht fassen würde.
Und noch eines! Ich glaube, daß der Schriftsteller sich dem Thema anpassen muß, das er darzustellen hat; wenn man über Philosophie schreibt, braucht man Verstand, über Geschäfte, Gedächtnis, und über Litteratur, Kunst und Industrie, so braucht man Nachdenken und Kenntnisse – aber ich schreibe die Abenteuer der säuischen Donna Michela und des schmutzigen Schwachkopfes, deshalb muß ich säuisch und schmutzig schreiben.