Parghelia, 20. Februar 1889.
Stets der Deine
Antonino M…
Erlauchte und gnädige Richter![67]
Widerwillig habe ich auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, um mich gegen eine Anklage zu verteidigen, welche in schwarzen und tragischen Farben mein geliebter Bruder, Michele M…, gegen mich vorgebracht hat. Ich verteidige mich mit klaren Beweismitteln, um die Schändlichkeit und Dummheit einiger Spilingoten zu entlarven, und die Feigherzigkeit, Unwissenheit und den schlechten Charakter meines vorbesagten Bruders an das Licht der Gerechtigkeit zu bringen, ich nehme die Aufgabe auf mich, die häufigen Leiden, die Qualen und Heimsuchungen klarzulegen, die ich acht lange Jahre von diesem elenden Spilingoten habe erdulden müssen.
Ich bitte Sie flehentlich, meine Herren Richter, mir das Wort zu gestatten, bis ich meine Aufgabe erfüllt habe, da ich diese Aufgabe keinem Anwalt anvertrauen wollte und zwar aus den folgenden Gründen.
- um mir keine Kosten zu machen; da ich ein armer Familienvater bin, habe ich es für besser gehalten, meinen armen Kindern ein Stück Brot zu geben, als es in den gierigen Rachen eines Advokaten zu werfen.
- niemand vermag besser als ich die Kraft und die Wärme der Verteidigung zu empfinden, und niemand kennt besser als mein gequältes Herz die Leiden und die Schmähungen, die Drohungen und die Kränkungen, die mein lieber Bruder und seine würdige Gattin Donna Michela mir zugefügt haben.
Am Mittag des 17. September 1868 gab mir mein Bruder eine große Pistole in die Hand und sagte:
»Geh', töte ihn!«
Ich war damals ein Jüngling, von erregbarem Temperament, ich ergriff die tötliche Waffe und habe auf öffentlichem Platze einen armen Menschen getötet.
Die gnädigen Richter zu Monteleone verurteilten mich zu fünf Jahren Gefängnis, während der Anstifter nur meinetwillen frei ausging, da ich leugnete, daß er mich zu der unseligen That angeregt hatte.