Ob mittelbar oder unmittelbar, mein lieber Bruder war die Ursache, daß ich einen armen Menschen ermordet habe und einer langen Zeit zwischen düsteren Kerkermauern entgegenging.
Aber die Hand Gottes wacht über unseren Geschicken. Die fünf Jahre verstrichen, ich wurde Soldat im königlichen Heer; dort habe ich mich nicht so geführt, wie ich sollte (ich möchte nicht, daß die ehrenwerten Spilingoten nebst meinem engherzigen Bruder erst ihr Urteil darüber abgeben; das hieße mich feige zeigen; nein, meine mündliche Erklärung möge Ihnen genügen). Wie gesagt, beim Militär habe ich mich nicht brav geführt, zweimal wurde ich verurteilt und ein Jahr war ich bei der Strafkompagnie. Das ist das, was die Spilingoten Ihnen vorstellen wollen, in dem Glauben, daß sie auf diese Weise Ihre leuchtende Urteilskraft blenden, wie sie es mit so viel anderen gethan haben.
Nachdem ich wieder zu Hause war, war es mein fester Entschluß, bei meinem Bruder zu bleiben.
Es war im September des Jahres 1882, ich umarmte meinen Bruder, seine Zöglinge, ich sah seine Gattin an, und ein neues Leben erschloß sich vor mir, ein Leben voll zärtlicher Familienbande, ein Leben des Jubels, des Friedens, der brüderlichen Liebe.
Es war ein Traum, ein entsetzlicher Traum!!…[68]
Und nun, meine gnädigen Herren Richter, bitte ich um Gerechtigkeit, ich erkläre mich für nichtschuldig, ich fürchte die Anklage meines Bruders und den Einfluß seiner Verwandten nicht.
Er behauptet, daß ich ihn in die Hand gebissen habe, das ist falsch, eine schwarze Verleumdung, fragen Sie, meine Herren, ob er nicht gern lügt, fragen Sie seine Landsleute.
Einen Menschen für schuldig halten, ist das wirklich ein Urteil?
Mir erübrigt nur, dem Michele M… eine letzte Antwort zu geben, und ich will mich eines Dichterworts bedienen –
Den grimmen Wogen sucht er zu entfliehen …