»Lieber Sansosti, die Gefährten sind zerstreut, jener Verräter Diogene Perri hat sie verraten.«
Dann erzählte ich ihm das ganze Abenteuer mit Perri, seinen Tod und wie es den Camorristen in Catanzaro gegangen war, indem ich ihn genau über viele andere Angelegenheiten der Camorra unterrichtete. Dann sagte er:
»Und jener elende Perrone, hat man ihn nicht vorbeikommen sehen?«
Es muß erwähnt werden, daß Sansosti den Perrone nur dem Namen nach kannte; denn als Perrone sich im Gefängnis zu Catanzaro befand, war er allein in einer Zelle eingeschlossen, aus Furcht, daß die Camorristen ihn ermordeten, und Sansosti hatte ihn niemals gesehen.
»Mir scheint, er ist abgereist«, antwortete ich Sansosti.
»Das glaube ich nicht, bei Gott nicht. Seit sechs Monaten erwarte ich ihn schon, jeden Gefangenenzug, der ankommt, beobachte ich und erkundige mich nach jedem, der ankommt und abgeht; man sagte mir, daß er noch nicht fort sei und Du M…, hol's der Teufel, hast ihn in keinem Gefängniß getroffen? Weißt Du, was unsere Brüder im Gefängnis zu Cosenza beschlossen haben? »Wer den Picciotto Luigi Perrone verstümmelt, wird, wenn er nicht Camorrist ist, sofort Picciotto di mala vita; gehört er zur Camorra, so avanziert er zwei Grade; ist er Picciotto, so wird er Camorrist, ist er Camorrist, so wird er eigentlicher Camorrist; ist es der Masto oder auch ein Haupt der Gesellschaft, so soll er von allen und für alles unantastbar sein und überall in seinem Kreise als Haupt der Gesellschaft anerkannt werden.« Noch hat keiner von uns das Glück gehabt, aber beim Blute der Madonna, er muß hier vorbei, noch ist er nicht zurück …, und jener Jüngling, der mit Dir kam, wer ist er?«
»Ein Freund von mir, ein braver Junge, Nicht-Mitglied der Camorra; zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und nach der Anstalt in Aversa bestimmt.«
»Aber sage mir, M…, glaubst Du, daß dieser ehrlose Perrone noch lange hat, ehe er hier durchkommt?«
»Ich glaube, daß er mit einer anderen Abteilung kommen wird, denn in Pizzo habe ich erfahren, daß er in Catanzaro krank lag.«
»Sehr wohl; jetzt, wenn Du etwas brauchst, verfüge auch über uns; wir sind hier elf Genossen, mit Dir sind wir zwölf.«