In Lucera angekommen, schloß man mich in das Gefängnis San Domenico, in ein Zimmer, wo zwanzig Calabreser waren, lauter Bekannte von mir. Man muß beachten, daß in Lucera drei Gefängnisse waren: das Gerichtsgefängnis, das Gefängnis San Francesco und San Domenico, die alle dicht bei einander liegen.

Folgendermaßen war das Gefängnis San Domenico beschaffen: Zwei lange Zimmer mit je einem Fenster, die auf den Bürgersteig an der schönen breiten Straße inmitten der Stadt hinaus gingen. Die Fenster waren mannshoch, mit zwei großen Gittern und einem Netz aus Gußeisen versehen; zwei andere Fenster gingen auf einen kleinen Hof hinaus; zwischen den beiden Zimmern lag der Wachtraum, etwas weiter oben das Zimmer der Wärter mit dem Amtszimmer des Oberwärters, des Peppino Crigna.

Wir waren einundzwanzig Mann, liebten uns als gute Unglücksgefährten und halfen uns gegenseitig.

Von dem, was mir damals im Gefängnis zu Foggia begegnete, sagte ich meinen Genossen nichts, denn ich konnte einem camorristischen Gericht unterworfen und bestraft werden.

Zwar spricht Francesco Mastriani in seinen Romanen ausführlich von der Camorra, aber die Camorra der alten Zeiten ist etwas ganz anderes als die von heute, alles ist verändert, die Gesetze, Einrichtungen, Kleidung, Arbeiten, Jargon, Rechte und vieles andere; nur der alte Name ist von früherher geblieben und sonst nichts. Jedes mal, wenn eine Abteilung von Gefangenen ankam, stellte ich mich an's Fenster des Hofraumes, um zu sehen, ob der Picciotto aus Foggia ankäme, aber zwei Monate lang erwartete ich ihn vergebens. Eines Tages, als ein Zug von nur wenigen Gefangenen ankommt, höre ich einen Wärter rufen:

»Transport aus Foggia!«

Ich trete an's Fenster, blicke und suche mit dem Auge und sehe den Picciotto aus Foggia, mit seiner schief aufgestülpten roten Kappe.

Ich rufe den Wärter Peppino, der mein Freund ist, da ich ihm täglich zwei Brote liefere, die er mir mit fünfzehn Centesimi bezahlt.

»Peppino«, sprach ich, »jener Bursche mit der schiefen roten Mütze ist Paolo Pescari, mein lieber Freund; haben Sie die Güte, ihn nach der Untersuchung in mein Zimmer zu schicken.«

»Wärter Cicciotto«, sagt der Oberwärter zu einem in der Nähe stehenden Wärter, »wenn Sie den Paolo Pescari durchsucht haben, lassen Sie ihn hier hereinkommen.«