»M…, so lange Sie in diesem Gefängnis sind, gebe ich Ihnen täglich einen halben Liter vom besten Wein und einen Fenchel oder irgend ein anderes Gemüse, sind Sie zufrieden?«

»Schön, aber hüte Dich, Dein Versprechen zu brechen.«

»Eher will ich es dem Teufel brechen, aber nicht Ihnen.« Dies ist der Grund, weshalb der brave Wirt mir den halben Liter und den Fenchel gab; jetzt kann es weiter gehen.

Meine Genossen machten eine Rechnung von fünfzehn Lire, während die anderen fünfzehn Lire der Wärterin M… zu gute kamen.

Sie warfen die Strohsäcke zur Erde und stellten aus den Pritschen und den Ständern eine große Tafel her und deckten das Betttuch darüber; die zusammengerollten Strohsäcke dienten als Sitze, vor sich stellten sie die Näpfe und eine große Flasche mit Wein; so aßen sie und tranken sie, die Becher voll schäumenden Weines, und oft küßten sich die Tischgenossen auf die Lippen. Ich saß auf meinem Bett, aß meinen Fenchel und schlürfte meinen halben Liter Wein; der arme Pescari saß auf dem Fenster und sah mich heimlich an, während er oft und schmerzlich seufzte.

»M…, beehren Sie uns doch und speisen Sie mit,« riefen die Tischgenossen.

»Ich danke sehr, meine lieben Freunde.«

Sie aßen und tranken mit vollem Munde, sprachen laut und verworren durcheinander, brachten Trinksprüche aus in ihrer kalabresischen Mundart, daß man vor Lachen platzen konnte; ein wahres Teufelsbacchanal; einer sang, der andere lachte wie verrückt, der dritte erzählte Späße und berichtete aus seiner Heimath, und diese tolle Posse spielte sich ab auf Kosten des halbverhungerten, betrübten Pescari.

Die Suppe kam, ich nahm meine und aß sie[19], Pescari nahm die seinige und stellte sie unter sein Bett, die andern wiesen sie zurück, indem sie sagten:

»Heute brauchen wir den Brei nicht, gebt ihn den Armen; uns geht es vorzüglich.«