»Seid still! Was für eine Höllenzucht ist das hier!«

Eine Menge Einwohner von Lucera drängte sich unter den Fenstern der beiden Zimmer und auf der Straße. Fragen und Antworten gehen hin und her, man will den Grund des Lärms wissen, die Wachtsoldaten laden ihre Flinten.

Auf die Stöße, Pfiffe und Grimassen folgten Lieder in kalabresischer Mundart: man sang die halbe Nacht hindurch; dann legten sie sich müde, betrunken auf die Erde und schnarchten wie eine Sauheerde, und ich, glaubt es mir, wanderte die ganze Nacht umher mit einem Dolch und bewachte die Schlafenden aus Furcht vor einer Überraschung oder einem Streich, den man ihnen spielen könnte, und ich freute mich, sie so liegen zu sehen, einer über dem andern, mit aufgesperrtem Munde, wie sie schnarchten, schnarchten! Tags darauf wurde ich vom Direktor gerufen, der zu mir sagte:

»Sie, mein braver junger Mann, durften nicht erlauben, daß Ihre Landsleute den Gefangenen Pescari um seine Kleider und sein Geld brachten; sagen Sie mir gewissenhaft, wie die Sache gekommen ist.«

»Herr Direktor, ich kann Ihnen nichts sagen; als der Gefangene Pescari in mein Zimmer eintrat, umarmte und küßte er sich mit allen meinen Gefährten, als ob sie seit langer Zeit Freunde gewesen seien; ich kannte ihn nicht und blieb auf meinem Bett sitzen und rauchte meine Pfeife. Sie haben angefangen zu reden, zu fragen und zu antworten und was weiß ich sonst noch. Um die Speisestunde sagte Pescari, daß er auf seine Kosten ein leckeres Mahl geben wolle, um sich zu zerstreuen, er verlangte alles, was zum Schreiben nötig ist, um eine Aufstellung zu machen, was er kaufen wolle. Dann kam die Wärterin und er gab ihr seine Aufstellung, die Wärterin fragte: das wollen Sie alles kaufen? Er sagte ihr, alles, das ist das Menu; dann ging ich und kümmerte mich um meine Sachen.«

»Nachdem das Essen gekommen war, machten sie aus ihren Bettstellen eine große Tafel, dann setzten sie sich nieder und ließen die Zähne arbeiten und tranken fröhlich und auf das Wohl des Paolo Pescari, des berühmten Picciotto, wie sie ihren Genossen in ihren Trinksprüchen nannten. Ich bin eingeladen worden, aber habe nicht annehmen wollen; nach dem Essen, das lange dauerte, schenkten sie mir eine Zigarre. Das habe ich gesehen und kann ich bestätigen.«

»Aber Pescari sagt, daß er einen Sack mit Kleidern in das Zimmer gebracht hat, auch dieser ist verschwunden.«

»Ich, Herr Direktor, habe keinen Sack gesehen, und dann vermag ich auch nicht zu glauben, daß meine Landsleute fähig sind zu stehlen. Wenn sie ihn gestohlen haben, muß er sich in dem Zimmer finden, das beste ist, wenn Sie eine Untersuchung vornehmen; wenn er da ist, wird er sich finden und Sie werden den Dieb bestrafen; wenn er nicht da ist, so muß der Gefangene Paolo Pescari ein Verleumder sein und schwer bestraft werden[22]. Ist meine Ansicht nicht logisch, Herr Direktor?«

»Sehr logisch und verständig.«

Der Direktor, der Oberwärter und die Wärter begaben sich in mein Zimmer und jeder Gefangene stellte sich mit der Mütze in der Hand am Fuße seines Bettes auf.