Es wurde in diesem Sinne ans Ministerium geschrieben, nach wenigen Tagen begannen sie, nach ihrem Bestimmungsort abzureisen.
Ich blieb allein zurück, aber die zwanzig Betten der Kalabreser in meinem Zimmer wurden mit apulischen Gefangenen belegt.
Krank und elend wie ein Leichnam bat ich den Direktor, mich nicht abreisen zu lassen, denn eine bessere Pflege und so gute Vorgesetzte fand ich nicht wieder.
Die zwanzig Apulier waren sämtlich Angeschuldigte, Landleute, unwissend und dumm; keiner konnte lesen und schreiben; ich besorgte täglich ihre Briefe, wurde ihr Schreiber, machte mich zu ihrem Schulmeister, um ihren blöden Verstand einigermaßen zu schärfen, besorgte die Briefe an ihre Familien, ihre Anwälte, die Bittschriften an den Staatsanwalt, um die Entscheidung ihrer Sachen zu beschleunigen; dafür beschenkte mich der eine mit Wein, der andere mit Cigarren, der dritte mit Obst und Eßwaaren; sie liebten und achteten mich wie einen Gott. Wenn ihre Familien nach Lucera kamen, um ihre Anverwandten zu sehen, so brachten sie in ihren Ranzen Käse und andere schöne Sachen mit. Sie nahmen alles, legten es auf mein Bett und sagten:
»Meister, alles dies gehört Ihnen, machen Sie damit, was Ihnen am besten dünkt.«[26]
Und ich verteilte es unter alle, und sie waren dankbar und zufrieden.
Die vollständigste Harmonie und Liebe herrschte unter uns, ich fühlte mich glücklich, mich unter so vielen guten Jünglingen zu sehen.
Der Direktor ruft mich und sagt:
»M…, Sie sind von nun an Zimmerältester in Ihrer Stube.«
»Ich danke«, antwortete ich, »aus persönlichen Gründen kann ich dieses Amt nicht annehmen, was brauchen wir einen Zimmerältesten, wenn wir eine Familie sind und uns alle wie die Brüder lieben?«