»Mein teurer Landsmann, ich nehme für niemand Partei; ich liebe und achte Sie wie einen anderen Menschen, und das ist meine Pflicht; alle meine Genossen muß ich gleichmäßig lieben und achten.«

Es fiel mir schwer, den erbitterten Feind der Neapolitaner zu überzeugen, daß ich auf alle Fälle neutral bleiben wolle.

Endlich sagte er:

»Nun wohl, Landsmann, machen Sie, was Sie für gut halten, ich habe kein Recht, Sie zu zwingen; aber wenn Sie etwas brauchen, so verlassen Sie sich auf mich; wenden Sie sich nicht an die Neapolitaner! Sind wir einig?«

»Ja, wir sind einig«, erwiderte ich.

Ich blieb zwei Monate in dem Krankenhaus, umgeben von den Aufmerksamkeiten der Neapolitaner und der Kalabreser. Dann wurde ich an den Direktor, Herrn Luigi M… di Aversa, gewiesen, einem Manne von gutem Herzen, einem wahren Vater der Gefangenen. So treffen sich böse und gute Menschen auf dem Pfade des Unglücks. Luigi M… war der Typus eines Edelmannes; eine zärtliche Mutter ist nicht so liebevoll, geduldig und freundlich gegen ihre Kindlein, wie jener Luigi M… gegen uns Söhne des Unglücks, uns traurige, bloßgestellte Geschöpfe war.

»Wie geht es, 599?« fragte er, als er meiner ansichtig wurde.

»Herr Direktor, es geht gut, Gott sei Dank.«

»Und ich sage mir Glück dazu, wie Ihnen selbst; ich hörte, es ging Ihnen schlecht, als Sie hierherkamen?«

»O, Herr Direktor, sehr schlecht.«