»Ich weiß nichts, kümmern Sie sich um Ihre eigenen Sachen.«

Ein ander Mal ermordete ein Sizilianer einen armen Wächter in der Schneiderwerkstatt mittelst einer Scheere, weil er ihm untersagt hatte, laut zu sprechen.

In der Werkstatt sollte die größte Ruhe herrschen, alle Gebote wurden übertreten; man sprach, lachte und scherzte, in dem Schlafzimmer durfte nur halblaut gesprochen werden, statt dessen herrschte dort ein Höllenlärm, weil der Direktor nie Strafen verhängte. Es war strenge Vorschrift, daß alle arbeiten sollten: aber niemand kümmerte sich darum, der eine blieb in seinem Zimmer, der andere ging zwar in die Werkstatt, aber arbeitete nicht.

Einmal wurden zwei Gefangene, ein Abruzze und ein Neapolitaner, krank; nachdem der Arzt gekommen war, wurden sie in das Krankenhaus geschickt, dort ziehen sie in Gegenwart des Arztes ihre Messer und stechen auf einander los; der Wärter, der sie trennen sollte, erhielt einen tüchtigen Messerstich in den Unterleib, der eine der Kämpfenden eine tötliche Wunde, der andere eine leichte Schmarre; bei einem neuen Versuch, sie zu trennen geht der Medizinkasten in Stücke, das Schreibpult des Arztes fällt um, und die in einander verbissenen Gegner waren noch nicht vom Blut gesättigt.

Ein ander Mal war ich auf dem Hof, um Luft zu schöpfen, als ein Mann von der andern Seite der Mauer ruft:

»Ihr elenden Kalabreser!«

Das war kein Ruf, sondern ein Kampfsignal. Dreißig Kalabreser klettern auf die Mauer, die Waffen in der Hand, ein wütender Angriff erfolgt, man kämpft Mann gegen Mann; das Blut fließt in Strömen; der Wächter, der Direktor, eine Abteilung Soldaten eilen herbei; sie drohen Feuer zu geben, wenn die Gefangenen nicht auseinander gehen – vergebens. Mit aufgepflanztem Bajonett gehen sie auf die blutdürstigen Tiger los. Sechszehn blieben zum Tod verwundet liegen, ein Gefangenenwächter mit den Eingeweiden in den Händen, zwei Neapolitaner tot, einer leicht verwundet, und Gennarino, das Haupt der Gesellschaft der Neapolitaner, mit zerfetztem Gesicht, mit blutbefleckten Händen, kämpft wie ein Rasender mit Borghese, dem Haupt der Kalabreser, der trotz Stichwunden im Gesicht und in der Brust den Dolch meisterhaft handhabte.

Das sind die Wirkungen der Camorra und die schweren Folgen der Spaltung in zwei feindliche Parteien. Elf Neapolitaner und Kalabreser wurden in das Gefängnis gebracht, um wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung verurteilt zu werden. Arme Thoren!!

Der brave Direktor jammerte, er sagte, er wolle die Anstalt verlassen, da seine Liebe und sein Interesse für die Gefangenen so schlecht belohnt würden. Nach diesem blutigen Kampf herrschte Frieden und fünf Monate lang war alles ruhig; und es ist recht so, daß nach dem Sturm die Windstille folgt, und die gequälten Herzen sich beruhigen können. Inzwischen kam Befehl vom Ministerium, daß die Gefangenen, die sich gut geführt hätten, nach der Insel Caprera gebracht würden, um dort Erdarbeiten auszuführen.

Der Direktor verfiel darauf, die kalabresischen und neapolitanischen Camorristen abzuschicken, teils, um sich die Sache vom Halse zu schaffen, teils um ihnen Gelegenheit zu geben, sich in aller Ruhe nach Belieben umzubringen.