Da empörten sich die Gefangenen.
»Gift!!« riefen sie.
Sie verschworen sich gegen die Ärzte, den Direktor, die Wache, wollten die Bureaux überfallen und die Beamten morden.
Die Frau des Direktors, eine ausgezeichnete Dame aus feiner neapolitanischer Familie, begab sich mit ihrem geliebten Söhnchen auf den Hof, in die Zellen und ermahnte mit thränenden Augen die Rasenden zur Geduld, zum Mut und zur Ergebung.
Der Direktor bat weinend und mit vor Entsetzen gesträubten Haaren um Frieden; nicht ein Gift sei es, wie sie meinten, sondern eine tötliche Krankheit, welche die Stadt bedrohe und Tausende von Opfern fordere.
Der Rechnungsführer begab sich nach Castellamare, wo er eine Ladung Citronen kaufte, die unter den Gefangenen verteilt wurden.
Lob, ewiges Lob gebührt dem edlen und christlichen Herzen des Direktors Cav. Luigi M… di Aversa, Lob, unvergängliches Lob seiner edlen Gemahlin, der Zierde christlicher Tugend. Tag und Nacht begaben sich beide in die Zellen der Erkrankten, und salbten die schwarzen Körper der Leidenden mit wohlriechenden Düften, reinigten sie vom Schmutz, und die edle Herrin umfing die unglücklichen Sterbenden und murmelte ein Gebet, während ein Strom eklen Erbrechens ihr über Brust und Hände ging. O Du Deines Heilandes würdiges Weib! Edles Mutter- und Frauenherz; meine Feder ist zu schwach, um Deine heiligen Tugenden zu schildern, Deinen unerschrockenen Mut, Deine Selbstverleugnung, eine Ruhmespalme ist Dir im Himmel gewiß, und sicher hat der Schöpfer, wenn er Dein heiliges und frommes Wirken sah, sich gefreut, daß er Dich in die Welt gesandt hat.
Den ganzen Tag ging sie mit einem Korb voll Obst, Biskuit, einer Rumflasche umher; wandelte durch die Zellen, gab dem eine Frucht, jenem ein Stück Citrone, dem dritten ein Glas Rum und sprach:
»Mut, meine lieben Söhne, Gott will unsere Geduld auf die Probe stellen.«
Brot und Braten warfen wir auf den Hof und auf die Korridore, der Hunger war verloren, jeder war satt, die Cholera hatte uns gesättigt. Es war ein Leben, das ich nicht fortsetzen konnte; am Tage immer mit den Ärzten unterwegs, Nachts vier oder fünf Mal in den Zimmern umher; ich fühlte mich wie vernichtet.