Im Bureau des Krankenhauses war das Depot des Weines und der Liqueure, die ich morgens und Abends an sechshundert Gefangene austeilen mußte.
Ich mache dem Direktor Mitteilung, daß ich mich in mein Zimmer zurückziehen möchte, da ich dieses Leben nicht mehr aushalten könne.
»Nein«, antwortete er, »als der Wind still war, da wollten Sie fahren; nun müssen Sie auch im Sturme ausharren – ich werde Ihnen zwei Genossen als Helfer beigeben.«
Die Apotheke befand sich in der Anstalt selbst, im Krankenhause; der Oberwärter, ein braver Mann aus Piombini, der zu zwanzig Jahren verurteilt war, wußte mit Arznei gut Bescheid und that als Apotheker Dienste.
Zwei oder drei starben jede Nacht, nichts als ein schmerzliches »Ha« ausstoßend. Sie wurden sofort in einen gemeinschaftlichen Kasten eingesargt und hinausgebracht, um mit den andern, die in der Stadt starben, zusammen begraben zu werden. Die Gefangenen wußten nicht, wer oder wieviel starben oder erkrankt waren.
Einige Tage war Waffenstillstand, die heimtückische Krankheit schien des entsetzlichen Mordens müde zu sein, und wir Verschonten dankten Gott.
Und dann? Das unerbittliche tausendköpfige Ungeheuer war nicht müde, es schöpfte nur Atem, um sich gieriger als zuvor zu erheben. In Neapel, in der Anstalt neue Opfer; da verdoppelte sich die Sorgfalt und verdoppelten sich die Mittel, um den Drachen zu bekämpfen.
Verzweiflung und Entsetzen herrschten in den Herzen, die einer Dolchspitze und einer Messerschneide furchtlos entgegenblickten.
Eines Morgens fragte ich den Doktor Biondi:
»Herr Doktor, was muß man thun, um sich vor der entsetzlichen Krankheit zu bewahren?«