Dann ließ ich mir eine Blase im Nacken ziehen, was viel Wirkung hatte, indem ich allmählich das Gehör wieder erlangte. Eine spanische Fliege legte ich auf die Schläfe, eine zweite hinter die Ohren und auf diese und andere Weise erlangte ich endlich das Gehör wieder. Ich zählte die an der Cholera Gestorbenen, es waren neunundsechszig, mit dem Söhnchen des Direktors siebenzig; der Erkrankten waren zweihundert zweiundzwanzig. Als ich ganz geheilt war, ließ ich den Direktor rufen und bat ihn, mich meiner Pflicht als Schreiber zu entbinden, und mir zu gestatten, mich in meine Zelle zurückzuziehen, da ich dringend Ruhe brauche. Ich wollte dort die Bücher aus der Bibliothek lesen und die sieben Monate, die ich noch abzumachen hatte, in Frieden verbringen. Er willigte ein und ich zog mich in eine der unteren Zellen zurück.
Die Cholera hörte auf; das tausendköpfige Ungeheuer zog weiter, und hinter sich ließ es Jammer, Trauer und Entsetzen.
In meiner Zelle waren sechs brave Genossen, fünf davon erkrankten, ich allein las und schrieb und dachte über die trüben Traumbilder des menschlichen Lebens nach.
Mir geschah etwas, das ich mitteilen möchte.
Eines Tages, gegen Abend, als meine Gefährten bereits von der Arbeit zurückgekommen waren und ich ruhig in meiner Zelle in einem Winkel lag und meine Pfeife rauche, öffnete sich die Thür mit Geräusch und ich mußte die brennende Pfeife in die Tasche verstecken.
»599,« sagt der Wächter, »geben Sie mir die Cigarre.«
»Ich habe keine Cigarre.«
»Rasch, geben Sie mir die Cigarre, Sie haben geraucht.«
»Ich habe nicht geraucht und habe keine Cigarre.«
»Sie haben geraucht, ich habe es gesehen und den Tabaksgeruch gerochen.«