Es gibt pflanzenfressende Käfer und Käfer, die sich von anderen Insekten und Tieren nähren. Im ganzen gibt es mehr als 3000 Käferarten in Deutschland. Es ist deshalb nötig zu wissen, was für eine Art von Nahrung der Käfer zu sich nimmt, denn einige sind nützlich für Feld und Garten, andere tun den Ernten großen Schaden.
Einer der bösartigsten ist der Maikäfer. Ihr kennt ihn sehr gut, wenn er euch am Abend umsummt oder euch ins Gesicht fliegt. Aber vielleicht kennt ihr ihn nicht als Larve, wenn er drei oder vier Jahre lang unter der Erde lebt und die Wurzeln von Gras, Korn und Gemüsen frißt. Sobald man sieht, daß Pflanzen in Feld und Garten gelb und kränklich aussehen und die Blätter hängen lassen, obwohl der Boden feucht ist, so ist es sehr wahrscheinlich, daß eine Larve unten an den Wurzeln sitzt, und diese Larve kann sehr wohl die eines Maikäfers sein.
Grabt die Pflanze aus, und ihr werdet ein häßliches Geschöpf finden (vergl. bunte [Tafel III.] 3), wie eine sehr große Made und fast so dick wie euer kleiner Finger mit gelblich-braunem Kopfe und sehr starken Kiefern. Sie hat sechs lange Beine mit fünf Gelenken, die an den Ringen hinter dem Kopfe wachsen, und ist so vollgefressen, daß sie kaum kriechen kann. Der letzte Ring ist viel größer als die anderen und sehr dick angeschwollen, und man kann die Atemlöcher an den Seiten sehr gut beobachten, weil der Körper so durch die Nahrung ausgedehnt ist. Ihr wißt, daß die Larve nicht durch den Mund atmet, und so kann sie fortwährend weiterfressen. Wenn ihr sie nicht gestört hättet, so würde sie von Pflanze zu Pflanze durch das ganze Feld gekrochen sein und hätte drei Jahre lang nichts getan als gefressen. Im Winter wühlt sie sich tiefer in den Erdboden, um sich während der Kälte warm zu halten.
Im Herbst des dritten Jahres endlich krümmt sie sich zusammen und hört fast acht Monate lang mit Fressen auf. Wenn man zu dieser Zeit einen Engerling findet, so kann man die Teile des wirklichen Maikäfers unter der durchsichtigen Haut liegen sehen. In den letzten Monaten ist es dann ein voll entwickelter, schlafender Maikäfer.
Wenn dann der Mai kommt, kriecht er aus der Erde hervor und fliegt in die Bäume, deren Blätter er ebenso gierig frißt, wie er vorher ihre Wurzeln fraß, als er noch eine Larve war. Dies ist die richtige Zeit, ihn zu fangen und zu töten, denn er lebt nur ungefähr vier Wochen lang, und während dieser Zeit legt das Weibchen die Eier, aus denen die Larven auskriechen.
Man ist überrascht, wenn man den Unterschied sieht, der zwischen dem Käfer und der unter dem Erdboden lebenden weißen Larve besteht. Es ist nun ein fliegendes Insekt daraus geworden, ungefähr 2,2 cm lang, mit braunen hornigen Flügeldecken, die ein Paar durchsichtiger, häutiger Flügel bedecken. Der Hinterleib endet in einer feinen Spitze; an dem Kopfe trägt er zwei Fühler, die in einem zierlichen Fächer enden, der beim Männchen aus 7 langen, beim Weibchen aus 6 kurzen Blättchen besteht.
Tafel III
Schädliche Käfer.
1. Männlicher, 2. weiblicher Maikäfer. 3. Engerling. 4. Puppe. 5. Schnell- oder Springkäfer.
Diese Blättchen sind beim männlichen Käfer (siehe bunte [Tafel III.] 1) sehr hübsch und viel größer als beim Weibchen (siehe bunte [Tafel III.] 2), und daran kann man das letztere erkennen. Man muß die Weibchen fangen und töten, wenn man seine Ernte retten will, und die barmherzigste Art, dies zu tun, ist, sie in kochendes Wasser zu werfen. Ein halb zertretener Käfer lebt oft noch lange aber das kochende Wasser tötet ihn augenblicklich.