Um diese Zeit werden die jungen Tauben die Augen geöffnet haben. Aber obgleich sie jetzt stehen können, sind sie noch sehr schwach und erhalten alle ihre Nahrung von der Mutter.

Sobald ungefähr ein Monat nach dem Auskriechen aus dem Ei verflossen ist, gehen sie an den Rand des Taubenhauses und beobachten die anderen Tauben. Von Zeit zu Zeit recken sie ihre Flügel und versuchen, sie zu gebrauchen. Wenn sie mit ihnen nach unten schlagen, so kann die Luft unter den Flügeln nicht entweichen und wird nach rückwärts getrieben, gerade wie das Wasser beim Rudern. Aber wenn die Flügel gehoben werden, stellen die Federn sich so, daß die Luft hindurch kann. Die Vögel erheben sich daher etwas, wenn sie mit den Flügeln schlagen und flattern zum nächsten Sims, und zuletzt fliegen sie auf den Erdboden und fangen an, Futter mit ihren Eltern aufzupicken.

Vergleiche eine junge Taube und ein Kücken. Untersuche die Flaumfedern, die Deckfedern und die langen Schwungfedern.

Lektion 6.
Wie die Vögel ihre Jungen füttern.

Es ist sehr interessant, in die Nester der Vögel zu sehen und zu beobachten, welche Vögel nackt und welche mit Flaumfedern bedeckt sind, welche sehen können, und welche blind sind.

Am Flußufer kommen die kleinen Wasserhühner aus dem Ei wie schwarze flaumige Bälle mit roten Köpfen und schwimmen sofort mit ihrer Mutter umher. Aber Eisvögel schlüpfen nackt und hilflos aus dem Ei. Sie müssen warten, bis ihnen Federn gewachsen sind, ehe sie ihr Nest verlassen können, und inzwischen füttert sie ihre Mutter mit Fischen.

Wenn ihr eine junge Eule in ihrem Neste in der Scheune betrachtet oder einen jungen Habicht, der aus dem Neste auf dem Baume gefallen ist, werdet ihr sehen, daß sie ganz blind und hilflos sind, obwohl sie schon Flaumfedern haben. Ihre Mütter müssen ihnen Insekten, Mäuse und junge Kaninchen bringen, bis sie erwachsen sind.

Diejenigen von euch, die an der Küste wohnen, kennen die Möwen, welche auf die See hinausfliegen und auf den Wellen schwimmen. Im Frühling und Anfang Sommer kann man junge Dreizehen-Möwen schreien hören; es klingt, als ob kleine Katzen auf den Klippen miauten. Sie rufen nach den Alten, die ihnen Nahrung bringen sollen (siehe [bunte Tafel VIII]).

Denn obwohl diese jungen Möwen sehen können und mit Flaumfedern bedeckt sind, müssen sie doch sitzen und warten, bis sie stark und kräftig genug sind, weil sie hoch oben auf den Klippen zur Welt gekommen sind. Selbst dann können diese nur an den vorspringenden Rändern entlang kriechen, bis ihre Flügel ganz ausgewachsen sind. Sie sitzen da mit offenen Schnäbeln und schreien nach Futter, und die alten Möwen bringen Fische für sie. Die Sturmmöwe und die Silbermöwe legen ihre Eier gewöhnlich auf Inseln, und die Kleinen schwimmen umher, wenn sie nur erst einige Tage alt sind.

Wohnt ihr aber weit weg von der See im Binnenlande, so werdet ihr euch damit vergnügen, die anderen Arten der Vögel zu betrachten, wie sie ihre Jungen in den Bäumen und Hecken füttern. Oft besorgt es das Weibchen allein, manchmal hilft das Männchen.