Ein Naturforscher, der das Leben und Treiben vieler Vögel genau kennt, erzählt, daß er einmal beim Füttern geholfen hat. Er beobachtete eines Tages einen weiblichen Weidenlaubvogel (Weidenzeisig), der Nahrung für seine fünf Jungen in einem Nest unter einem Dornbusch herbeibrachte. Weidenzeisige sind kleine, sehr anmutige Vögel. Ihr Rücken und ihre Flügel sind dunkelolivengrün und ihre Brust ist gelblich-weiß. Die Mutter trug Raupen und Insekten herbei, ungefähr vier oder fünf alle fünf Minuten, und stopfte sie in die kleinen Schnäbel, die ihr hingestreckt wurden. Während sie arbeitete, flog das Männchen bald auf einen Zweig, bald auf einen anderen und sang ihr sein kunstloses Lied vor.

Der Beobachter dachte, er könnte der kleinen Mutter helfen. Er sammelte einige grüne Raupen und legte sie auf den Rand des Nestes, während sie fort war. Dann kauerte er sich in einiger Entfernung nieder.

Die Mutter flog bei ihrer Arbeit hin und her und sah nach ihm hin, wenn sie vorbeiflog, ohne daß er sich rührte. Endlich pickte sie die Raupen auf, die er herbeigebracht hatte und verteilte sie unter die kleinen Mäuler. Dann flog sie wieder fort, um mehr zu holen.

Das kleine Vögelchen arbeitete den ganzen Tag lang und ruhte nur am Nachmittag eine halbe Stunde. Es brachte nicht nur Nahrung herbei, sondern reinigte auch das Nest nach jedem Fluge und machte alles rein und sauber. Ich denke, es wird sich sehr über den kleinen Haufen Insekten gefreut haben, den ihr Freund von Zeit zu Zeit in die Nähe des Nestes legte.

Meisen sind dreiste, kleine Vögel, die man oft sehen kann, wie sie mit einem Insekt im Schnabel in ein Loch in der Mauer oder in einem Baume hineinfliegen und leer wieder herauskommen. Männchen und Weibchen füttern die Jungen gemeinschaftlich (siehe [bunte Tafel IV]). Sie fliegen zusammen aus und kommen zusammen zurück mit Raupen beladen, und wenn sie diese den Jungen gegeben haben, fliegen sie wieder fort, indem sie einander fröhlich zuzwitschern.

Wir hatten einmal junge Rotkehlchen, die von drei Vögeln gefüttert wurden. Sie waren in der Hecke unseres Gartens geboren. Wir nannten den dritten Vogel den Onkel. Er arbeitete ebenso angestrengt wie die beiden anderen. Nach und nach flogen die alten Rotkehlchen fort. Aber die Jungen blieben den ganzen Sommer bei uns und pflegten um den Mittagstisch zu hüpfen und Krumen aufzulesen.

Amseln füttern ihre Jungen mit großen Würmern, die sie in Stücke reißen, um sie dann unter sie zu verteilen. Die Elster sieht aus, als ob sie nichts mitbrächte; aber sie läßt das Futter aus ihrem Kropfe in den Schnabel der Jungen gleiten. Die Taube holt die Nahrung aus ihrem Kropfe in den Schnabel herauf, und die Jungen stecken ihre Schnäbel von der Seite hinein und nehmen die Nahrung auf.

Die meisten alten Vögel füttern die Jungen noch einige Zeit lang, nachdem sie schon fliegen können. Man kann oft kleine Sperlinge oder Schwalben in einer Reihe auf einem Zweige sitzen sehen, während die Mutter das Futter in ihre Schnäbel stopft. Sie geht dabei ganz unparteiisch von einem zum andern, und jedes bekommt sein Teil der Reihe nach.

Achte auf die Vögel, die ihre Jungen im Frühling füttern: Drosseln, Sperlinge, Rotkehlchen, Meisen. 1. Im Neste. 2. Auf den Zweigen sitzend. 3. Kleine Vögel, die einen jungen Kuckuck füttern. 4. Junge Taube, die von der Mutter gefüttert wird.

Lektion 7.
Wo schlafen die Vögel?