Achte auch auf den Unterschied in der Stellung der Augen. Ein Falke hat die Augen an den Seiten des Kopfes, aber die Eule hat sie vorn im Gesicht wie du und ich. Wenn sie also in der Dämmerung jagt, so kann sie alles, was in ihre Nähe kommt, genau betrachten. Sie kann die Pupille des Auges stark erweitern wie die Katze, um alles vorhandene Licht darin zu sammeln. Ihre Federn sind so weich und daunenartig, daß sie beim Fliegen kein Geräusch macht, auch hat sie große unter Federbüscheln verborgene Ohröffnungen, die durch ein Häutchen verschlossen werden können. Da dieses beim Fluge geöffnet wird, fängt das Ohr den Schall gut auf, und die Eule hört infolgedessen das leiseste Geräusch. Einige Eulen haben Federbüschel, die wie ein Katzenohr in die Höhe stehen.
Die Eule, die man so oft ihr „hu, hu, hu, hu“ schreien hört, ist der Waldkauz. Er jagt am frühen Morgen und am späten Abend. Während des Tages versteckt er sich in Baumlöchern oder sitzt im Waldesdunkel dicht an einen Stamm geschmiegt. Wenn er ins Sonnenlicht getrieben wird, kann er nicht deutlich sehen und blinkt daher mit den Augen. Aber in der Dämmerung und im Mondlicht fliegt er geräuschlos an den Hecken hin und fängt Mäuse, Maulwürfe, Frösche und Vögel; er verschlingt die kleinen Tiere ganz und wirft Haut und Federn in kleinen Ballen (Gewölle) aus.
Schleiereule (unten) und Turmfalke (oben).
IV. 7.
Die Schleiereule ist ein viel heller gefärbter Vogel als der Waldkauz. Ihr Rücken und ihre Flügel sind bräunlich und Brust und Kopf sind weißlich. Ihr Schrei ist ein widerlich kreischendes „Crüüüh“. Sie verbirgt sich am Tage in Scheunen und in Kirchtürmen und jagt in der Nacht; sie nährt sich hauptsächlich von Mäusen. Wenn sie am Tage herauskommt, necken sie Buchfinken und andere kleine Vögel, denn diese wissen, daß sie nicht gut sehen kann.
Vergleiche Falke und Eule. Beachte die Wachshaut am oberen Teile des Schnabels, die alle Vögel haben. Sie ist bei den Eulen teilweise von Borsten bedeckt. Versuche Fuß und Schnabel des Adlers zu zeichnen ([bunte Tafel VI] und [Abbildung Seite 60]).
Lektion 13.
Saatkrähen und ihre Gefährten.
„Geh’ und scheuche die Krähen von dem Felde, sie fressen allen Samen“, hörte ich eines Tages einen Bauer zu seinem Sohne sagen. Er hatte recht, denn er hatte den Samen nicht tief genug gesät, und die Krähen fraßen davon.
Aber einige Zeit darauf zeigte ein anderer Landmann auf die Krähen in seinem Felde, wo das Getreide schön grün war, und sagte. „Sieh’, wie sie die jungen Haferschößlinge ausziehen.“ Und das taten sie auch. Aber wenn wir die Pflanzen ansahen, die sie herausgehackt hatten, fanden wir, daß jede in der Wurzel eine Stelle hatte, wo eine Larve gesessen hatte.