Diesmal hatten die Krähen nützliche Arbeit geleistet. Drahtwürmer und Larven fressen die Wurzeln des Grases, des Korns und der Kohlrüben durch das ganze Feld hindurch ab. Töten die Krähen nur eine Anzahl derselben, so retten sie oft die ganze Ernte.

In meiner Heimat gab es einmal eine Zeit, wo die Landleute eine Belohnung für Krähenköpfe aussetzten in dem Glauben, daß die Krähen den Feldern Schaden täten. So wurden viele Krähen in der Umgegend getötet. Aber es tat den Landleuten bald leid. In den folgenden drei Jahren wurden ihre Ernten durch Insekten und Larven stark geschädigt. Sie ließen nun die Krähen in Ruhe, damit sie die Insekten vertilgten.

Ohne Zweifel sind die Saatkrähen in gewisser Weise schädlich, denn sie fressen Vogeleier, frisch gesätes Korn und grüne Walnüsse. Sie ziehen manchmal sogar Korn aus den Schobern, wenn sie Mangel an Nahrung leiden. Aber sie vernichten so viele Drahtwürmer und Larven, Schnecken, Maden und Insekten aller Arten, daß sie mehr Nutzen tun als Schaden anrichten.

Ihr alle kennt den schwerfällig umherschwirrenden Maikäfer, der einem abends manchmal ins Gesicht fliegt. Aber vielleicht wißt ihr nicht, daß er, ehe er Flügel bekommt, drei oder vier Jahre lang in der Erde lebt und sich von den Wurzeln des Grases und des Korns nährt. Saatkrähen fressen diese Maikäferlarven, wo sie diese auch immer finden, und retten so unsere Ernten.

Hoffentlich habt ihr Krähen in der Nähe. Es ist wirklich unterhaltend, sie zu beobachten. Während sie ihre großen Nester in die Astgabeln der Bäume bauen, machen sie sehr viel Lärm und Geschrei. Die männliche Krähe fängt an, Futter für das Weibchen zu holen, schon ehe sie die Eier legt, und füttert sie während der ganzen Brutzeit.

Die alten Vögel füttern die Jungen, lange nachdem sie ausgebrütet sind. Wenn man aufpaßt, kann man sie mit offenem Schnabel auf das Futter wartend am Rande des Nestes sitzen sehen. Die Saatkrähen bauen ihre Nester gern kolonieartig auf hohen Bäumen in Gehölzen und gebrauchen sie Jahr für Jahr wieder. Sie leiden nicht, daß fremde Krähen sich ihnen anschließen.

Saatkrähen am Neste.

Die Krähen bleiben nicht lange mehr in den Nestern, nachdem die Jungen flügge geworden sind. Im August und September ziehen sie oft zum Schlafen in Buchen- und Fichtenwälder und kommen vor dem Frühling nicht zu ihrem Horste zurück. Aber dann und wann sprechen sie beim Vorüberfliegen darin vor und sehen nach ihren Nestern.

Die Rabenkrähen brüten — ebenso wie die Nebelkrähen — nicht gesellig wie die Saatkrähen. Sie leben paarweise und bauen ihre Nester meist in hohe Bäume in Wäldern weit von Häusern entfernt. Sie sind schädlicher als Saatkrähen, denn sie fressen junge Vögel, Tauben, Enten und Kücken.