Man kann schon in einiger Entfernung die Rabenkrähe von der Saatkrähe unterscheiden, weil man im Sommer sehr selten mehr als zwei zusammen sieht. Wenn man sie in der Nähe erblickt, wird man sie bald unterscheiden lernen, weil die Saatkrähe, sobald sie ein Jahr alt ist, ein kahles weißliches Band an der Schnabelwurzel hat, wo die Rabenkrähe Federn trägt.
Habt ihr jemals beobachtet, wie gravitätisch eine Saatkrähe über das Feld schreitet? Sie hüpft nicht wie eine Drossel oder ein Sperling, sondern setzt einen Fuß vor den anderen und macht dann und wann einen kleinen Sprung. Einige bleiben stets in der Nähe auf Bäumen sitzen, um bei Gefahr zu warnen, und wenn diese Wachen „Krah, Krah“ schreien, erhebt sich der ganze Schwarm. Sie fliegen mit langsamem Flügelschlage fort und fallen in ein benachbartes Feld ein.
Ein Freund von mir, der in der Nähe eines Krähenhorstes wohnt, erzählt, daß er beobachtet habe, wie zwei Wachtkrähen jeden Morgen umherfliegen und die anderen aufwecken, und es ist sehr spaßig zu sehen, wie die faulen zuletzt in großer Eile herauskriechen, um noch zur rechten Zeit mit den anderen fortfliegen zu können.
Obgleich Saatkrähen nie anderen Vögeln ihrer Art erlauben, sich zu ihnen zu gesellen, leben sie mit Dohlen in tiefer Eintracht zusammen und dulden auch zeitweise Stare unter sich. Eine Dohle bewegt sich ziemlich ebenso wie eine Krähe, obwohl sie ein lebhafterer Vogel ist. Sie ist kleiner und hat einen grauen Nacken. Der Star (siehe [Seite 44]) ist ein Wandervogel. Obgleich sein Kopf und Rücken schwarz sind, hat er doch namentlich im Frühling so viele helle Farben auf den Federspitzen, daß er nicht dunkel aussieht wie Saatkrähe und Dohle, sondern bunt und glänzend.
Dohlen.
Es wundert mich, warum diese Vögel den Saatkrähen so oft folgen. Vielleicht weil die Krähe sehr scharf sehen kann und die Erde auf der Suche nach Nahrung mit ihrem langen Schnabel aufwühlt. Dohle und Star picken hier auf, was sie über der Erde finden, und so fällt für sie vielleicht etwas Nahrung ab, wenn die Krähe den Erdboden aufwühlt.
Versuche eine Saatkrähe, eine Rabenkrähe, eine Dohle, einen Star, eine Elster und einen Häher zu beobachten, und zeige, wie man sie erkennen kann.
Lektion 14.
Vögel mit Schwimmfüßen.
Außer den Vögeln, die auf dem Lande leben und sich dort ernähren, gibt es sehr viele, die hauptsächlich auf und an dem Wasser leben. Einige von diesen heißen „Watvögel“ und einige „Schwimmvögel“; sie haben mit Schwimmhäuten versehene Füße. Wir haben schon im Buche II von zwei Watvögeln gelesen, von dem grünfüßigen Wasserhuhn und dem Bläßhuhn. Heute wollen wir von den Schwimmvögeln sprechen.