Alle diese Hecken bestehen nur aus einer Art von Bäumen. Sie sind lange nicht so interessant wie die gemischten Hecken, in denen wir Brombeeren, Nüsse und alle möglichen Früchte und Blumen finden.
Ihr kennt wohl alle den Schwarzdorn, dessen kleine weiße Blüten an dem schwarzen Stamme aufblühen, wenn kaum der Winter vorbei ist, während er noch ohne Blätter ist. Ist dies der Fall, so wißt ihr wohl auch, daß ihr im Herbst unter seinen kleinen dunkelgrünen Blättern dunkelblaue Schlehen findet, und daß man diese Früchte sammeln kann, um Schlehensyrup oder Schlehenwein zu bereiten. Der Schwarzdorn eignet sich nicht so gut zu Hecken, da seine Wurzeln weit ins Feld hinaus wandern, und er sich oft zu einem Baume auswächst und so eine Lücke in der Hecke läßt.
Der Weißdorn oder Hagedorn eignet sich viel besser dazu, denn er wächst schnell zu einer lebenden Hecke heran, wenn er ordentlich beschnitten wird, und das Vieh kann diese wegen der Dornen nicht durchbrechen. Man kann aber die Früchte des Weißdorns, die sogenannten „Mehlbeeren“, nicht benutzen und muß sie den Vögeln überlassen.
Dann wird man in den Hecken oder im Walde wahrscheinlich auch den Holzapfelbaum finden mit sich weit ausbreitenden Zweigen, die häufig mit Dornen besetzt sind. Er hat ovale Blätter mit scharfen Spitzen, die auf der Unterseite, wenn sie jung sind, Flaum haben. Seine rot-weißen Blüten kommen im Mai hervor, und im Herbst findet man den rot und gelben Holzapfel an ihrer Stelle. Die Frucht ist sauer, herb und ungenießbar.
Ein anderer Heckenbaum ist die wilde Kirsche, von deren Früchten die Vögel im Sommer fressen, so daß er dazu beiträgt, sie vom Korn fernzuhalten. Es ist ein buschartiger Strauch mit roter Rinde und eiförmigen Blättern, die am Rande doppelt gesägt sind. Seine Blüten wachsen auf kurzen Stielen und zwar zu vier oder fünf wie unsere Gartenkirschen; die Frucht ist glänzend rot, wenn sie reif ist. Ebenso findet man in Hecken die Trauben- oder Vogelkirsche (siehe [Abb. S. 47]), deren Blüten in langgestielten, überhängenden Trauben wachsen, und deren Früchte glänzendschwarz gefärbt sind.
Schwarzdorn, Weißdorn, Holzapfel und Kirsche gehören alle zu der Familie der Rosenblütler, die, wie ihr euch erinnert, so viele Früchte tragende Pflanzen enthält. Dazu gehört auch der hübsche Vogelbeerbaum (vergl. [bunte Tafel V], 1), oft auch gemeine Eberesche genannt, weil die Blätter in Blättchen zerschnitten sind gleich denen der Esche. Man findet die kleinen, weißen Blüten der Eberesche im Mai geöffnet. Aber viel schöner sieht diese im Herbst aus, wenn die roten Beeren reif sind und in vollen Büscheln am Baume hängen. In manchen Gegenden wurden Ebereschen früher gepflanzt, um Hexen fernzuhalten, da man ihnen eine derartige Kraft zuschrieb.
Noch von zwei anderen Heckensträuchern will ich euch erzählen. Der eine ist der Schneeball (2, [S. 47]), der dunkelgrüne, drei- oder fünfzackige Blätter mit gekerbtem Rande hat. Diese Blätter färben sich im Herbste schön rot. Seine weißen Blüten wachsen in einer flachen Dolde. Die äußeren sind groß und haben weder Staubgefäße noch Fruchtknoten. Ihr Zweck ist, Bienen und andere Insekten anzulocken, die zu den kleineren Blüten in der Mitte kommen, um Honig zu holen. Diese mittleren Blüten sind vollständig, und die Insekten bringen Blütenstaub auf die Narbe, so daß dann im Fruchtknoten Samen gebildet werden kann. Der Schneeball trägt im Herbste schöne korallenrote Beeren.
1. Trauben- oder Vogelkirsche. 2. Schneeball.
Der andere Busch, der in einer Höhe von ungefähr fünf Fuß in den Hecken wächst, heißt [Pfaffenhütlein] oder Spindelbaum, weil sein Holz zu Spindeln verarbeitet wird. Er hat einen glatten, grauen Stamm und schmale, grüne Blätter, die sehr giftig sind. Die kleinen, grün-weißen Blüten im Mai wird man kaum bemerken. Aber im Herbst hat er hübsche, eigentümliche Früchte. Vier rote Fruchtknoten wachsen zu einer Kapsel zusammen, die auf einem kurzen Stiele sitzt. Sie sehen sehr sonderbar aus, und wenn man sie öffnet, so wird man finden, daß der Samen im Innern mit einer glänzenden orangefarbigen Haut bedeckt ist.