Suche Blumen und Früchte des Schwarzdorns, des Weißdorns, des Holzapfels, der wilden Kirsche, der Eberesche, des Schneeballs und des Spindelbaums.
Lektion 10.
Blühende Gartensträucher.
In Hausgärten, wo kein Platz ist, große Bäume anzupflanzen, kann man doch in den Ecken viele blühende Sträucher ziehen, und viele von ihnen sind sehr hübsch. Der erste, der im Jahre blüht, ist die japanische Quitte (vergl. [bunte Tafel VII]). Sie wächst an den Mauern der Landhäuser und verleiht ihnen ein freundliches Ansehen, auch wenn die Bäume kahl sind. Ihre dunkelroten Knospen zeigen sich schon im März, und während des April entfalten sich die tiefroten Blüten. Sie gleichen in der Form Birnblüten und wachsen in kleinen Büscheln dicht am Stamm. Wenn man keine im Garten hat, wird es leicht sein, einen Ableger von dem Strauch irgend eines Nachbars zu erhalten und groß zu ziehen. Im Herbste trägt sie eine harte grüne Frucht.
Bald nachdem die japanische Quitte in voller Blüte steht, wird die rotblühende Johannisbeere ihre Blütentrauben in vielen Gärten zeigen. Sie stammt aus Nordamerika und ist über ganz Deutschland verbreitet. Man wird sie leicht daran erkennen, daß ihre Blätter ganz denen der Johannisbeerbüsche im Gemüsegarten ähnlich sehen und ihre hübschen herabhängenden roten oder rosa Blütentrauben den grünen Blüten unserer Johannis- und Stachelbeeren. Im Herbst hängen dann Büschel von schwarzen Beeren an dem Strauche, die nicht gut zu essen sind. Ein Ableger der rotblühenden Johannisbeere wird ohne jede Mühe aufwachsen.
Die wilde Berberitze.
Ein anderer sehr hübscher Strauch blüht im frühen Sommer. Es ist die Berberitze, deren kleine scharlachrote Früchte manchmal zur Füllung von Konfituren verwendet werden. Die Berberitze ist ein interessanter Strauch, denn bei ihr sind einige Blätter in Dornen verwandelt, so daß an jedem Gelenk ein dreispitziger Dorn sitzt neben den weichen, gefransten Blättern. Die wilde Berberitze hat gelbe Blüten mit hellroten Staubbeuteln, aber es gibt eine Gartenart mit immergrünen Blättern, die tieforangefarbige Blüten hat. Sie sind klein und hängen in einer langen Traube herunter, und wenn ihr geschickt seid, könnt ihr einen Versuch machen sowohl mit der wilden wie mit der Gartenberberitze.
Seht sorgfältig eine der Blüten an, und ihr werdet bemerken, daß von den sechs Staubgefäßen je eins auf einem Blumenkronblatt liegt. Unten an dem letzteren, fast in der Mitte der Blüte, sind zwei Drüsen, aus denen tropfenweise Honig quillt. Die klebrige Narbe auf dem Fruchtboden steht aufrecht in der Mitte der Blüte.
Nehmt nun eine Nadel und berührt eins der Staubgefäße am Fuße, gerade da, wo die Honigtropfen sitzen. Es schnellt auf, wie von einer Feder bewegt, und berührt die klebrige Narbe; nach einer Weile wird es wieder zurückschnellen. Wenn nun die Biene auf der Suche nach Honig ihren Kopf in die Blüte steckt, berührt sie mit dem Rüssel das Staubgefäß, so daß es aufspringt und den Kopf des Insekts trifft. Dieses wird mit Blütenstaub bedeckt, den es zu einer anderen Blüte trägt. Oder der Staubbeutel läßt etwas Blütenstaub auf seiner eignen Narbe, ehe er wieder zurückschnellt.
Aber wir müssen weiter, denn wenn die Aprilwinde wehen, und der Sonnenschein überall Blumen hervorlockt, wird es eine Menge Sträucher geben, die zu beobachten sind. Da ist der Besenginster mit seinen hellgelben Blüten, die wie Erbsenblüten geformt sind. Man kann den Besenginster auf der Heide wachsend finden. Er ist dem Stechginster sehr ähnlich, hat aber einen glatten grünen Stamm ohne Stacheln. Aber bei dem Besenginster stehen die Blüten einzeln, während sie beim Stechginster hellgelbe Trauben bilden. Der Ginster hat keinen Honig, aber die Bienen kommen zu ihm, um Blütenstaub zu holen, aus dem sie Bienenbrot machen.