V. 7.
Man kann Eschen selbst im Winter überall an zwei Merkmalen erkennen. Erstens an den Spitzen der Zweige, die plattgedrückt sind, als wenn sie unter einer Presse gelegen hätten, und zweitens an den schwarzen Knospen, die wie kleine Pyramiden geformt sind (siehe [Abbildung S. 54]). Kein anderer Baum hat solche schwarzen Knospen. Die Farbe des Stammes ist aschgrau, und die Zweige wachsen sehr zierlich, erst fliehen sie seitwärts von dem Stamm, um dann zu einer zarten, lichten Krone emporzustreben.
Im April fangen die Eschenknospen der Seitenzweige in der Nähe des Gipfels an, sich zu schwarzroten Blütentrauben zu öffnen. Die einzelne Blüte ist sehr klein. Sie hat keine Blumenblätter; sie besteht nur aus einem Fruchtknoten und zwei dunkelvioletten Staubgefäßen. Aber diese zierlichen Blüten stehen so dicht gedrängt, daß der ganze Baum von ihnen bunt schimmert.
Gegen Ende Mai beginnen dann die Blätter sich zu öffnen. Sie stehen sich gegenüber an den Seiten der Zweige, und jedes Blatt ist in sieben oder neun Blättchen zerschnitten, von denen eins als überzählig an der Spitze steht. Auch von anderen Pflanzen sind die Blätter so wie hier zerteilt und du könntest denken, jedes Teilblättchen wäre ein ganzes Blatt. Doch wenn es Blätter wären, müßte eine Knospe an dem Grunde eines jedem, nahe dem Stamme, wachsen und außerdem müßte eine weiter wachsende Spitze am Ende stehen. Doch ist weder das eine noch das andere der Fall, und daraus magst du ersehen, daß alle die Einzelblättchen zusammen ein Blatt bilden, und beim Welken fallen alle Blättchen zusammen ab.
Spitze eines Eschenzweiges.
1. Blatt mit neun Teilblättchen.
2. Blüten.
3. Junge Früchte.
Der Baum ist den ganzen Sommer hindurch sehr schön, und seine blaugrünen Blätter unterscheiden sich deutlich von denen aller anderen Bäume. Aber früh im Herbste werden sie gelb und fallen ab. Dann kann man den Baum an seinen sonderbaren, langen, flachen, schmalen Früchten (siehe [Abbildung, 3]) erkennen, die in Büscheln von den Zweigen hängen wie ein Schlüsselbund. Sie hängen manchmal noch mitten im Winter am Baume, bis die rauhen Winde sie abreißen.