Lektion 13.
Blätter. Ihre Gestalt und ihr Stand.
Im Sommer, wenn die Bäume voll belaubt sind, und ihr sie kennen gelernt habt, solltet ihr Zweige von verschiedenen Bäumen holen und beobachten, wie die Blätter an den Ästen wachsen, und welche Formen sie haben.
Wir haben schon bemerkt, daß einige Bäume wie die Roßkastanie und der Ahorn gegenständige Blätter haben, wo eins dem anderen am Stengel gegenübersteht, also zwei aus einem Sproßknoten wachsen. Andere dagegen, wie die Ulme und die Buche z. B., haben wechselständige Blätter, so daß jedes seinen Sproßknoten hat. Aber es gibt viele Arten von wechselständigen Blättern, und es wird euch Vergnügen bereiten, sie ausfindig zu machen.
Bei der Ulme und der Buche kommt jedes zweite Blatt genau über dem darunter stehenden heraus. Blatt 1 entspringt an der einen Seite des Zweiges, Blatt 2 auf der anderen Seite, Blatt 3 genau über Blatt 1. Aber wenn ihr einen Zweig der Zitterpappel oder Espe nehmt, so wird es Blatt 4 sein, das genau über Blatt 1 steht. Dann nehmt einen Eichenzweig. Ihr werdet sehen, daß ihr sechs Blätter zählen müßt, ehe ihr eins genau über dem ersten stehend findet. Alle diese Unterschiede haben ihren Zweck, und wenn man die Bäume im Walde genau ansieht, so wird man finden, wie diese verschiedenen Anordnungen die Blätter in Stellungen bringt, wodurch sie am besten Licht und Luft erhalten.
Ferner ist dann die Form der Blätter zu beachten. Botaniker haben sehr viele Namen, um die Gestalt, den Rand, die Adern und die Abteilungen der Blätter zu beschreiben. Ich kann euch nur einige davon sagen, so daß ihr eure Augen öffnen und andere selbst finden mögt.
Blätter, die ungeteilt sind, so daß man nicht ein Stück abreißen kann, ohne das Ganze zu beschädigen, heißen einfache. Die Blätter der Ulme, Buche, Edelkastanie, Linde, Eiche, Weide, des Bergahorns und viele andere sind einfach.
Blätter, die in verschiedene Teile zerschnitten sind, so daß man einen abreißen kann, ohne die anderen zu berühren, heißen zusammengesetzte. Die Blätter der Roßkastanie, Esche, Rose, des Vogelbeerbaumes und des Holunders sind zusammengesetzt. Ihr müßt euch ins Gedächtnis zurückrufen, daß die Abteilungen Blattabschnitte und nicht Blätter sind, weil sie am Ende keine wachsende Spitze und im Blattwinkel keine Knospen haben. Die Blättchen wachsen aus der Spitze des Blattstengels heraus (Roßkastanie) oder aus der schmalen grünen Mittellinie (Rose), die nicht der Stengel, sondern die Mittelrippe des Blattes ist.
Nehmt nun alle einfachen Blätter, die ihr habt und seht, wie sie gestaltet sind. Die beste Weise, dies herauszufinden ist, ein Blatt auf eure Schiefertafel zu legen und eine Linie herumzuziehen. Das ist sehr leicht bei einem Buchenblatt oder dem Blatte einer Edelkastanie. Aber wenn ihr ein Eichenblatt nehmt, so geht der Rand zuweilen bis an die Mittelrippe, so daß man meinen kann, ein geteiltes Blatt zu haben.
Um die Form eines Blattes festzustellen, muß man es anders machen. Man muß, am Stengel des Blattes beginnend, eine Linie um die äußersten Punkte desselben herumziehen, bis man wieder an den Stengel kommt. Wenn man ein Ahornblatt so mit einer Linie umzieht, so wird eine Figur heraus kommen, die einer Niere ähnlich ist. Das Blatt des Bergahorns wird mehr herzförmig sein, länger und in einer stumpfen Spitze endend. Ein Eichenblatt ist länglich rund, länger als breit. Das Ulmen- und das Buchenblatt ist eiförmig oder oval, wie man sagt, während das der Edelkastanie schmal und lang ist. Ein Lindenblatt endlich ist herzförmig, aber ungleich, da eine Seite größer ist als die andere. Es ist ungleichseitig.