Wir wollen einmal den Lauf eines Tages betrachten und sehen, wie viel wir von dem Baume benutzen. Wenn man am Morgen aufsteht, ist das erste, was geschehen muß, daß ein Feuer mit Holz angezündet wird. Man setzt sich auf einen Stuhl; er ist aus Holz gemacht. Man öffnet die Tür; auch sie ist aus Holz. Ihr nehmt, wenn ihr nach der Schule geht, den Regenschirm; sein Stock war einst der Zweig eines Baumes. Ihr geht die Treppe hinab; ihre Stufen bestehen vielfach aus Holzplanken. Ihr habt auf eurem Schulwege eine Brücke zu überschreiten; sie ist aus Holz gebaut. Das Gattertor auf dem Felde, der Zaun um die Schule, alles besteht aus Holz.
Ihr nehmt euren Platz in der Klasse ein. Eure Füße ruhen auf Holzbrettern, die vom Fichtenbaum stammen. Ihr sitzt auf hölzernen Bänken. Eure Schiefertafel hat einen hölzernen Rahmen. Das Tafelgestell und die Tafel selbst bestehen aus Holz. Der Lehrer öffnet die Tintenflasche, um die Tintenfässer zu füllen; den Kork der Flasche liefert die Rinde eines Baumes, während die Tinte selbst aus einer Säure gemacht ist, die aus Galläpfeln gewonnen wird. Diese werden durch den Stich eines Insekts auf den Blättern der Eiche hervorgerufen.
Wenn ihr aus der Schule kommt, läßt euch vielleicht ein Landmann auf seinen Wagen steigen, der auch aus Holz gemacht ist, ebenso wie der Schubkarren, mit dem er den Dünger in den Garten fährt. Ihr legt eure Schulbücher in die alte eichene Kommode, die in der Ecke steht, und wenn ihr nach dem Abendessen zu Bett geht, seht ihr über eurem Kopfe die Stubendecke, die aus hölzernen Balken zusammengefügt ist. Ihr könntet noch vieles hinzufügen, was ich vergessen habe; und dann haben wir noch nicht aufgezählt das Gummi, den Terpentin, die Öle, die Gerbsäure und die vielen Wohlgerüche, die wir von den Bäumen erhalten. Auch haben wir noch nicht von Schiffen und Eisenbahnwagen gesprochen und von den hübschen Holzschnitzereien in unseren Kirchen und öffentlichen Bauten. Sicherlich, ohne Bäume würde es schlecht mit der Welt stehen!
Nenne noch andere Dinge, die aus Holz gemacht sind.
Lektion 2.
Wie ein Baum entsteht.
Wir sahen im dritten Buche, daß einige Pflanzen viel länger leben als andere. Manche leben nur ein Jahr, bilden Samen und sterben dann. Diese nennen wir einjährige Pflanzen. Andere leben zwei Jahre. Sie treiben im ersten Jahre ihre Wurzeln und Blätter, während sie im zweiten Blüten und Früchte bilden. Diese nennen wir zweijährige. Andere leben viele Jahre lang und heißen ausdauernde oder perennierende Pflanzen. Bäume sind ausdauernd, denn sie leben sehr viele Jahre. Es gibt Eichen, die mehr als tausend Jahre alt sind.
Und doch begannen alle diese alten Bäume ihr Leben als kleine Samen wie die Bohne, die ihr im Blumentopfe zum Keimen brachtet. Wie haben sie es nun fertig gebracht, so lange zu leben? Wir werden dies am besten erfahren, wenn wir uns einen jungen Sämling ansehen.
Man wird leicht imstande sein, irgend einen solchen im Walde zu finden, eine Eiche, eine Buche oder einen Haselnußstrauch, die aus einer in den Boden getretenen Nuß, Buchecker oder Eichel aufgewachsen sind. Ich werde eine Eiche wählen, weil ich eine dicht vor meiner Tür habe und euch ein Bild davon geben kann. Wenn ihr eine Eichel nehmt, sie in den Hals einer Flasche steckt mit der Spitze nach oben und vorher die Flasche mit Wasser füllt, so könnt ihr eine kleine Eiche aufziehen und sehen, ob sie der meinigen ähnlich ist.
Zuerst treibt die Eichel aus einem Spalt einige Wurzeln nach unten. Dann spaltet sich die Schale vollständig, und man kann sehen, wie sich die beiden dicken Keimblätter öffnen, zwischen denen die wachsende Spitze liegt. Diese Spitze wächst nun beständig nach oben und treibt bald einige Blätter. Es ist manchmal eins, manchmal sind es auch zwei, eins über dem anderen, an der Seite des Stammes. Aber wenn der Herbst kommt, werden sicher zwei oder drei dicht zusammen an der Spitze des kleinen Baumes stehen. Unten an jedem Blatte dicht am Stamme sitzt eine kleine Knospe und am oberen Ende des Stammes eine kräftige Knospe, dicker als die übrigen.
Der Unterschied zwischen der Eiche und der Bohne, die wir im dritten Buch beschrieben, ist der, daß ihr Stamm holzig ist. Wenn man ein anderes Eichenpflänzchen desselben Alters aus dem Walde holt und es durchschneidet, so wird man folgendes sehen ([Fig. 1, Seite 13]). In der Mitte ist ein runder weißer Fleck „p“. Dies ist das Mark oder der weiche Teil, den man aus einem Holunderzweige aushöhlt, wenn man sich eine Knallbüchse machen will. Dann kommt ein Ring von weichem weißlichen Holze „w“. Rund herum sitzt die Rinde „b“.