Junge Eichen.

1. Wachstum nach einem Jahr, 2. nach zwei, 3. nach drei Jahren. r Ring, der von den Knospenschuppen gebildet wird.

Nun wißt ihr, daß das Wasser mit erdigen Bestandteilen darin von den Wurzeln aufsteigen muß, um in die Blätter zu gelangen und hier zur Nahrung verarbeitet zu werden. Es steigt durch diesen Ring lebenden Holzes auf, und wenn es zurückkommt, bildet es neues Holz und neue Rinde, da wo Holz und Rinde zusammenstoßen. Ihr wißt, wie leicht es ist, die Rinde vom Holze abzuschälen. Das kommt daher, daß zwischen dem neuen Holze und der Rinde eine zarte, dünne Zellschicht sitzt, die leicht zerreißt.

Aber wenn der Herbst kommt, nehmen die Wurzeln kein Wasser mehr auf, und der rohe Saft, wie er genannt wird, steigt nicht mehr auf. Die Stengel der Blätter vertrocknen da, wo sie mit dem Stamme verbunden sind und fallen ab. Der Baum ruht während des Winters.

Querschnitt des Eichenstammes.

1. Zweig vom ersten Jahre. 2. Zweig vom zweiten Jahre. 3. Stumpf einer alten Eiche mit Jahresringen. p Mark. w Holz. b Rinde. w2 Holz vom zweiten Jahre. m Markstrahl.

Nun beobachtet eure kleine Pflanze im nächsten Frühling. Ihr werdet sehen, wie aus der dicken Knospe an der Spitze und oft noch aus zwei anderen, die dicht daneben stehen, sich Zweige entwickeln, die eigene Blätter haben. Aber bei einem sehr jungen Baume sterben die kleineren gewöhnlich ab, und der Stamm wächst gerade in die Höhe. Man kann jedoch immer feststellen, wo das neue Wachstum im Frühling begann, weil sich dort ein Ring (s.[Abb. S. 12], r) befindet, der von den Schuppen der Knospen zurückgelassen wird. Das Holz des neuen Stückes wird gerade so sein wie das Holz des unteren Stückes im vorigen Jahre war. Aber dieses untere Stück setzt frisches Holz an und wird dicker ([Fig. 2, S. 13]). Der Saft steigt hinauf und hinunter, und ein neuer Ring von Holz bildet sich außerhalb des alten, ebenso wie ein sehr dünner neuer Ring von Rinde innerhalb der alten. So wird am Ende des zweiten Jahres das alte Stück unter den Schuppen zwei Holzringe haben (w und w2) mit einer Linie dazwischen, die zeigt, wo der Baum im Winter ruhte; das neue Stück dagegen hat nur einen Ring.

Alles dies ist bei solchen kleinen Bäumen schwer zu sehen, und man muß den Querschnitt ansehen. Aber wenn man in den Wald geht, wo Bäume gefällt werden, so wird man an den alten Bäumen die Ringe viel deutlicher sehen, und man wird Vergnügen daran finden, die Stämme zu betrachten und zu zählen, wie alt die Bäume sind. Man kann nicht ganz sicher sein, daß man die Jahre richtig zählt, weil das alte Holz durch das neu wachsende zusammengepreßt wird und sehr hartes Holz in der Mitte des Stammes bildet, das sogenannte Kernholz. Aber sicherlich ist der Baum nicht jünger, sondern wahrscheinlich viel älter, als die Ringe, die man zählen kann, angeben.