Nun kommen wir zu der Frage zurück, wie Bäume so alt werden können. Jahr für Jahr bilden sie einen neuen Ring, und diese Ringe werden immer schmäler und schmäler, je älter sie werden. Durch die jüngeren Ringe steigt der rohe Saft in die Blätter auf und kommt als Nahrung wieder herunter, um die verschiedenen Teile des Baumes zu nähren. In jedem Frühling werden Knospen an jedem Blatte gebildet, und diese Knospen sind wie neue Pflanzen. Sie wachsen mit frischer Kraft empor und bilden neue Nahrung für den Baum, der sie im Stamme und in den Zweigen emporträgt zu Licht und Luft.

Das Kernholz des Stammes ist wirklich tot und vermodert manchmal, während der äußere Teil des Baumes noch weiter grünt. Aber viele Ringe im Innern des Baumes brauchen noch Nahrung, und wenn man einen gefällten Baum ansieht, so kann man sehen, wie sie diese bekommen. Neben den Ringen wird man einige Linien (m) bemerken, die wie die Speichen eines Rades von dem Mittelpunkt des Stammes ausgehen und sich bis zur Rinde erstrecken. Diese Linien bestehen aus Mark wie die, welche wir in der Mitte des jungen Schößlings der Eiche sahen. Durch sie hindurch dringt der Saft durch den ganzen Baum, bis sie zusammengepreßt werden.

Es gibt auch Bäume, wie die Palmen, die ihr in Warmhäusern seht, die keine Ringe ansetzen. Aber sie sind keine bei uns wachsenden Bäume und gehen uns hier nichts an.

Nehmt verschiedene Stücke von Baumzweigen und versucht, die Rinde, die innere Rinde, die Holzringe und das Kernholz zu erkennen. Flieder, Linde und Holunder zeigen sie sehr gut. Eiche und Fichte zeigen am besten das Kernholz.

Lektion 3.
Wie ein Baum wächst. — Die Roßkastanie.

Wenn ein junger Baum reichlich Holz und Zweige gebildet hat, beginnt er, einige seiner Knospen zu benutzen, um Blüten zu bilden. Diese Blütenknospen wachsen an denselben Stellen wie die Blätterknospen. An einigen Bäumen wachsen sie da, wo das Blatt aus dem Stamm hervorwächst. Bei anderen wachsen sie an der Spitze der Zweige. Sie sind im allgemeinen runder und weniger spitz als die Blätterknospen. Die Blüten der Eiche sind sehr klein, deshalb tut man besser, sich nach einem Roßkastanienbaum umzusehen und einen Zweig desselben für diese Lektion zu brechen. Man wird auf einer Roßkastanie fast zu jeder Zeit des Jahres Blütenknospen finden, ausgenommen, wenn er im vollen Blätterschmuck steht, denn dann sind sie sehr klein.

Die beste Zeit darnach zu suchen, ist am Ende des Winters, wenn der Baum kahl ist. Zuerst sieh die kleineren Knospen an, die zu zwei und zwei einander am Zweige gegenüberstehen. Unter jeder Knospe sieht man eine Narbe, die die Stelle bezeichnet, wo das Blatt im letzten Jahre wuchs. Die Narbe hat die Form eines Pferdehufes und hat verschiedene schwarze Flecke, die wie die Nägel angeordnet sind. Diese Stellen zeigen, wo die Röhrenbündel waren, die den Saft in das Blatt führten.

Nun zerpflückt eine der Knospen. Sie sind klein, und ihr werdet es nicht gerade leicht finden; aber ihr könnt die braunen, klebrigen Schuppen abnehmen, und dann werdet ihr im Innern zuerst einen feuchtklebrigen Flaum finden und dann die jungen, grünen Blätter, die dicht zusammengefaltet sind. Zwischen ihnen wächst eine grüne Spitze.

Salweide.