1. Silberweiße Kätzchen, Stempel tragend. 2. Goldgelbe Kätzchen, von Staubgefäßen gebildet.
V. 2.
Wenn ihr nun diese Knospe hättet wachsen lassen, und sie Nahrung genug erhalten hätte, so würde sie im Frühling zu einem kleinen, Blätter tragenden Zweige herangewachsen sein. Aber selten werden alle Knospen an einem Zweige groß. Die stärkeren nehmen die Nahrung fort, und die schwächeren sterben entweder ab oder warten bis zum nächsten Jahre.
Nun seht die Knospen an den Spitzen der Zweige an! Sie sind viel größer als die, die an den Seiten wachsen, und ihr könnt sie leicht untersuchen. Wenn ihr die klebrigen Schuppen fortgenommen habt — es sind ihrer 12 bis 17 —, so werdet ihr zu denselben feuchtklebrigen, weißen Flaumhaaren kommen, die ihr in den Blattknospen fandet, und die ein warmes Bett für die im Innern wachsenden zarten Blättchen abgeben.
Aber diese Knospe besteht nicht ganz aus Blättern wie die kleineren. Sie hat vier kleine hellgrüne Blätter, und in sie eingebettet liegt eine zierliche Rispe mit kleinen Knöpfchen (F).
Zweig der Roßkastanie.
1. Große Blütenknospe. 2. Kleine Blätterknospe. 3. Narbe vom vorjährigen Blattstiel. 4. Gefäßröhren, in denen der Saft sich bewegt. 5. Zweig, der vor zwei Jahren gebildet wurde. I. Blütenknospe (Längsschn.). S. Hüllschuppen. L. Gefaltete Blätter. F. Blütenanlagen.
Man kann die Blüten an dieser Rispe ohne Mikroskop wahrnehmen. Aber wenn man bis zum Mai wartet und sie beobachtet, so wird man sehen, wie sie sich allmählich zu einem lieblichen Blütenzweig entwickeln, und ich denke, ihr werdet sie um so lieber haben, sobald ihr wißt, wie der Baum sie im letzten Herbst vorbereitete, als er noch mit Blättern bedeckt war, und sie den ganzen Winter hindurch warm in klebrige Knospen einhüllte.
Und während ihr nun auf die Entwicklung der Blüten wartet, seht euch den Baum selbst an. Der Stamm ist glatt und rund. Die Zweige beginnen ungefähr drei Meter über dem Boden. Zwei und zwei stehen einander gegenüber wie die Blätter, ausgenommen da, wo eine Knospe sich nicht entwickelt hat. Die unteren Zweige, die natürlich die ältesten sind, breiten sich am weitesten aus, so daß der Baum sich nach der Spitze hin in gefälliger Weise abrundet.