Wenn dann der April kommt, fallen die braunen Schuppen von den Blattknospen ab, und der Baum ist mit hellgrünen, flaumhaarigen Blättern bedeckt. Sie sind geteilt in sieben Blättchen, die von der Spitze des Stengels wie ein halbgeöffneter Regenschirm herabhängen. Nach und nach, wenn sie kräftiger werden, entwickeln sie sich zu einem breiten Blatt aus sieben fingerartigen Teilen. Inzwischen wirft die Blütenknospe ihre Schuppen ab; die vier grünen Blätter kommen hervor, und die Blütenrispe streckt ihre schneeweißen, rot und gelb gestreiften Blüten heraus (siehe [bunte Tafel I]).
Die Blüten, die dem Zweige am nächsten sitzen, öffnen sich zuerst und werden kräftig. Es sind vollständige Blüten mit fünf grünen Kelchblättern und fünf schön gekräuselten Blumen-Kronblättern, die sowohl Staubgefäße als Fruchtknoten im Innern haben. Aus diesen entstehen die Kastanien, die im Herbste reif werden. Die an der Rispe weiter oben sitzenden Blüten haben nur Staubgefäße im Innern der Blumenkronblätter. Sie verwelken, sobald sie ihren Blütenstaub ausgestreut haben.
Wenn ihr eine ältere Blütenrispe bekommen könnt, nachdem die Blüten schon verwelkt sind, und den Fruchtknoten einer Blüte durchschneidet, so werdet ihr sehen, daß er drei Abteilungen hat mit je zwei kleinen Samen. Aber wenn ihr die stachelige Frucht im Herbst aufnehmt, so werdet ihr, obwohl sie in drei Teile zerspringt, nur eine oder zwei große Kastanien darin finden, seltener noch einige andere sehr kleine. Die großen Samen haben die anderen kleinen ausgehungert und sind groß und stark geworden. Sind die Kastanien braun und glänzend, so sind sie reif und werden keimen, sobald man sie sät.
Obwohl die Roßkastanie im Sommer sehr schön ist, werden ihre Blätter sehr früh gelb und fallen im September ab, und dann kann man sehen, wie sich die Knospen für das nächste Jahr schon gebildet haben. Jedermann weiß, daß Roßkastanien bitter und nicht genießbar sind. Die süßen Kastanien, die wir rösten, kommen von einem ganz anderen Baum und sind keine Samen, sondern Früchte.
Suche einen Roßkastanienzweig und untersuche die Knospen; beobachte im Mai den Fruchtknoten und die Frucht im September.
Lektion 4.
Bäume mit Kätzchenblüten.
Die Roßkastanie ist einer der wenigen großen deutschen Bäume, die große Blütenrispen haben. Es gibt in den Hecken viele hübsche blühende Sträucher, wie Schwarz- und Weißdorn und Schneeball. Aber viele große Bäume haben kleine Blüten. Da einige dieser Bäume blühen, ehe sich ihre Blätter entfalten, so kann man ihre Blüten sehen. So wollen wir denn einige betrachten.
Wenn in der Nähe eurer Wohnung viele Bienen sind, und dort einige Salweiden entweder in den Hecken oder Gehölzen wachsen, so geht an einem sonnigen Märztage hinaus, legt euch unter einen der Bäume und paßt auf.
Bald werdet ihr ein Summen hören, das so lange dauert, wie die Sonne scheint. Denn die Bienen sind aus ihrem langen Winterschlafe erwacht und brauchen Honig und Blütenstaub, um Bienenbrot zu bereiten. Es blühen nur sehr wenige Blumen im März, und wenn der süße Duft des Honigs von den Blüten der Weide aufsteigt, so werden die Bienen seiner schnell gewahr.
Ihr werdet mich vielleicht fragen, woran man eine Salweide erkennt. Ihr kennt sie sehr gut, obwohl ihr vielleicht den Namen nicht wißt. Es ist ein großer, buschiger Baum mit einem grauen Stamm; sie wächst in Hecken und feuchten Gehölzen. In manchen Gegenden schneiden die Leute am Palmsonntag Zweige davon ab und nennen sie Palmen.