Die Pflanzen haben Bienen und andere fliegende Insekten nötig, damit sie ihren Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen. Aber andere Insekten, so z. B. Ameisen, lieben auch Honig und können nur kriechen, nicht fliegen; sie reiben allen Blütenstaub, der auf sie fällt, ab, ehe sie eine andere Pflanze erreichen. So rauben sie den Blüten ihren Honig und geben ihnen nichts dafür.
1. Kuckuckslichtnelke. 2. Sonnenwolfsmilch. 3. Weberkarde oder Kardendistel.
Wilde Rose und Gartenrose.
III. 5.
Wie schützen sich nun wohl die Blumen gegen diese Honigräuber? In der mannigfachsten Weise. Die Weberkarde oder Kardendistel hat einen großen Blumenkopf voll von Honig. Aber die Ameisen können ihn nicht stehlen, weil ihre Blätter am Stengel einander gegenüberstehen, so daß sie ein kleines Bassin bilden. Tau und Regen füllen dasselbe und verhindern die Ameisen hindurchzukriechen.
Die Pflanzengattung, zu der die Kuckuckslichtnelke gehört, hat an den Blütenstengeln feine Haare, und der Stamm in der Nähe der Blüte ist sehr klebrig. Wenn die Ameisen hinaufkriechen, um den Honig zu stehlen, kleben sie fest und können nicht weiter.
Eine sehr gewöhnliche Pflanze in den Hecken ist die Sonnenwolfsmilch, die eigentümliche, kleine grüne Blüten hat. Diese Blume hat einen giftigen, milchigen Saft in ihrem Stengel. Wenn die Ameisen nun versuchen hinaufzuklettern, stechen sie mit ihren Klauen Löcher in denselben, der Saft quillt hervor, und sie kleben fest und sterben.
Ich möchte euch gern noch mehr von der Art und Weise erzählen, wie Pflanzen sich durch Dornen, Haare und Gift schützen, aber ihr müßt für euch allein Untersuchungen darüber anstellen.