Sicher habt ihr schon die federartigen Kronen, „Laternen“, des Löwenzahns ausgeblasen, wenn ihr von der Schule nach Hause gingt. Wenn ihr es das nächste Mal wieder tut, so seht euch einmal eine der kleinen dahinschwebenden Früchte näher an. Wir haben früher darüber gesprochen, daß der Löwenzahn einen Blütenkopf mit Hunderten von winzigen Blüten, und daß jede Blüte unten eine ovale Samenkapsel hat mit einer Menge von feinen Haaren auf ihrer oberen Seite und eine gelbe Blumenkrone mit einer langen Zunge.

Diese gelbe Blumenkrone ist nun verwelkt und der obere Teil der Samenkapsel ist zu einem langen Halse ausgewachsen, auf dem die behaarten Kelchblätter sitzen (siehe [Bild Seite 24]). Und wenn der Wind diese Haare faßt, so trägt er die winzige Frucht fort, manchmal meilenweit, und läßt sie dann auf den Boden sinken.

Disteln, Kreuzkraut, Löwenzahn und eine Anzahl anderer Blumen haben diese federartigen Früchte. Wenn man sie also auf eigenem Boden wachsen läßt, so schadet man auch dem anderer Leute.

Auf diese Weise trägt der Wind den Samen fort.

Andere Samenarten werden von Flüssen fortgespült und auf deren Ufern zurückgelassen. Andere wieder werden oft mit dem Schmutz fortgetragen, der an den Füßen der Vögel haftet.

An anderen Samen wachsen kleine Häkchen, so daß die Tiere und Menschen sie forttragen. Dies ist z. B. der Fall beim klebrigen Labkraut. Wir sahen auf [Seite 53], daß sein Stamm und seine Blätter mit kleinen Häkchen bedeckt sind, die es zum Klettern gebraucht. Dieselben Häkchen hat es an seinen Früchten. Wenn man eine derartige Pflanze in die Hand nimmt, so werden eine Menge der sehr kleinen Samenkapseln daran hängen bleiben.

Aber welch merkwürdiges Gewächs ist das da! Es ist die Samenkapsel der gemeinen Klette, die überall in den Hecken wächst. Es ist eine stattliche Pflanze mit sehr großen herzförmigen Blättern und roten Blütenköpfen, die denen der Distel ähnlich sehen. Man bringt oft Kletten mit nach Hause in den Kleidern, Hunde tragen sie im Fell und Schafe in der Wolle. Jede dieser Kletten ist ein aus einzelnen röhrenartigen Blüten zusammengesetztes, kugeliges Köpfchen, deren Kelche aus einer großen Menge schuppiger Blättchen mit Häkchen bestehen. Wenn man eine reife Klette öffnet, wird man die winzigen Samen im Inneren finden.

So tragen also Menschen und Tiere die Samen für die Pflanzen in die Weite.

Ganz eigenartig wird der Fall, wenn der Fruchtknoten sich zu einer Schlehe oder Kirsche oder einer anderen glänzenden Beere auswächst, wie es bei den Beeren des Schwarzdorns und des Geißblatts der Fall ist. Denn die Vögel kommen, um die hübsche Frucht zu fressen, und wenn sie dieselbe dann auf irgend einen Baum in der Nähe tragen, so lassen sie den Stein, d. h. also den Samen, an einem anderen Platze fallen. Oder sie fressen die Beere, und die harten Samen gehen durch den Körper und werden irgendwo in weiter Entfernung wieder ausgeschieden.

Nun seht ihr auch, weshalb die Brombeere und die Himbeere ein fleischiges Mark um ihre Samen herum bilden, und weshalb die kleinen harten Samenkörner der Erdbeere in der saftigen Erhöhung stecken. Alles dies geschieht, um die Vögel anzulocken, die Samen zu fressen und sie fortzutragen.