Wir wollten einmal versuchen, ob wir vor der Lerche aufstehen könnten. So verabredeten wir, uns um fünf Uhr morgens zu treffen auf dem Felde, wo eine alle Morgen zu singen pflegte. Wir hörten sie schon, ehe wir aus dem Heckengange herauskamen. Da stieg sie hoch in die Luft hinauf; sie flog bald ein wenig nach rechts, bald ein wenig nach links und stieg und sang fortwährend, als ob sie die ganze Welt vor Freude aufwecken wollte.
Wir beobachteten sie, bis sie nur noch als kleiner Punkt am Himmelsgewölbe erschien. Dann kam sie wieder herab. Als sie nur noch einige Fuß vom Boden entfernt war, legte sie die Flügel zusammen und ließ sich zu Boden fallen.
Am nächsten Morgen gingen wir um vier Uhr hin. Jene Lerche sang noch nicht, aber auf dem nächsten Felde stieg eine andere auf, so fröhlich wie eine Lerche nur sein kann. Dann sagten unsere Mütter, wir dürften nicht früher aufstehen. Wir konnten uns also nicht früher erheben als die Lerchen.
Einmal fingen wir eine Lerche, um sie zu betrachten und sie dann wieder fliegen zu lassen. Sie ist kein bunter Vogel; sie hat braune Flügel, die mit dunklen Streifen gezeichnet sind. Brust und Kehle sind schmutzig weiß und braun gefleckt, und über dem Auge hat sie einen weißen Streif. Ihre Füße sind merkwürdig. Die Zehen liegen flach am Boden, und die Hinterzehe hat eine sehr lange Kralle. Wenn man eine Lerche beobachtet, so wird man sehen, daß sie läuft und nicht hüpft. Sie setzt sich auch nicht auf Bäume. Sie lebt auf dem Boden, ausgenommen wenn sie sich in die Lüfte erhebt, um zu singen.
Im Winter, wenn wir zur Schule gehen, sehen wir große Scharen von Lerchen auf den Feldern, die nach Insekten und Samen suchen. Wenn wir in ihre Nähe kommen, fliegen sie auf, immer einige zu gleicher Zeit, und fliegen etwas weiter weg. Dann machen sie eine Schwenkung und lassen sich wieder nieder, um zu fressen.
Singende Lerche.
Im Winter hört man sie fast gar nicht. Im Frühling, wenn sie sich paaren, singen sie so schön.
Von Ende März an kann man ein Lerchennest im Getreide verborgen finden. Es ist in einer Rinne oder einer kleinen Vertiefung des Bodens gebaut, oft in der Mitte des Feldes. Die Lerchen polstern das Nest mit trockenem Grase aus, und das Weibchen legt vier oder fünf Eier hinein. Die Eier sind schmutziggrau mit braunen Flecken und liegen warm in den dicken Grasbüscheln.
Wenn die Lerche herunterkommt, nachdem sie gesungen hat, läßt sie sich nicht dicht bei ihrem Neste nieder, sondern etwas davon entfernt. Dies tut sie, um es ihren Feinden nicht zu verraten.