Die Spinne webt ein kleines Zelt in der Mitte des Gewebes. In diesem Zelt verbirgt sie sich, bis irgend ein Insekt gegen die klebrigen Fäden fliegt. Dann fühlt sie, wie das Gewebe erzittert und schießt hervor, um das Tierchen zu ergreifen, bevor es die Fäden zerreißt.

Heute sahen wir eine kleine Fliege gerade gegen das Gewebe auf dem Ginsterbusche fliegen. Die Spinne kam aus ihrem Zelt hervor. Sie ergriff die Fliege mit ihren scharfen Klauen, riß ihr die Flügel aus und sog dann behaglich den Saft aus ihrem Körper.

Kopf, Bein, Klaue und Spinndrüsen einer Spinne, stark vergrößert.

Paul fing sie, während sie bei der Arbeit war, und zeigte uns die beiden Kieferklauen mit scharfen Spitzen, die vorn am Kopfe niederhängen. Über ihnen stehen die acht Augen, vier große und vier kleine. Sie hat acht Beine, einige mit sonderbaren Klauen. Jede der letzteren sieht wie ein Kamm aus. Was meinst du wohl, wozu sie dienen? Sie gebraucht sie, um die seidenen Fäden zu führen, wenn sie ihr Gewebe spinnt.

Wir drehten sie auf den Rücken und sahen am Ende des Hinterleibes eine Anzahl kleiner Warzen, aus welchen sie die seidenen Fäden zieht, die aus kleinen Röhrchen kommen. Sie zieht die Fäden durch die Kämme an ihren Beinen, und so spinnt sie ihr Gewebe, während sie dahinläuft.

Außer den Geweben auf den Ginsterbüschen gibt es noch eine Menge anderer Gespinste auf der Gemeindeweide, die dicht am Boden sitzen. Diese haben keine Speichen wie die runden Gewebe. Die Fäden sind verworren wie bei der Schafwolle. Lange konnten wir die Spinne nicht finden. Endlich sagte Paul eines Tages: „Hier ist ein Loch gerade in der Mitte des Gewebes. Es führt hinunter in die Erde.“

Springspinne mit ihrem Eierballen, den sie im Maule mit sich trägt.

Dieses Loch war mit seidenen Fäden ausgelegt. Gerade in diesem Augenblick kroch ein Käfer auf das Gewebe und erschütterte es. Sofort schoß die Spinne aus dem Tunnel in der Erde hervor und ergriff den Käfer. Sie war so schnell, daß sie ihn in das Loch hineingetragen hatte, ehe wir sie fassen konnten.