»Sieh, Daniel, nun kann mein Onkel sich nicht hier ankaufen, wie er es beabsichtigte, und kann auch nicht, wie er wollte, Arbeiter miethen. Und doch muß er Jemanden zur Hülfe bei sich haben, der mit dem Landbau hier bekannt ist. Wir sind in einer schlimmen Lage, und der Onkel weiß gar nicht, was er anfangen soll,« sagte Carl etwas verlegen und schwieg dann, als wolle er Daniel das Wort überlassen.
Es trat eine Pause ein, der Neger saß während einiger Minuten sinnend vor sich niederblickend und nickte wiederholt mit dem Kopfe. Dann, wie zu einem Entschlusse kommend, sagte er: »Das ist freilich eine schlimme Lage, Sie sind fremd hier und unbekannt mit dem hiesigen Leben und Treiben, und leicht können Sie noch um den Rest des Vermögens betrogen werden. Sie haben mich als Mensch, als Ihres Gleichen behandelt, und würden mir gewiß auch beigestanden haben, wenn ich Ihrer Hülfe bedurft hätte. Glauben Sie, junger Herr, daß Ihr Onkel meine Dienste nicht zurückweisen würde? Schon lange hätte ich gern das Seeleben aufgegeben, hätte mich nicht das Vorurtheil der Weißen gegen meine Hautfarbe von dem Lande zurückgehalten. Mit Ihnen, junger Herr, möchte ich all mein Lebelang beisammen sein.«
»Du lieber, guter Dan, der Onkel würde ganz glücklich sein, wenn Du bei uns leben wolltest, und wir alle würden Dich gewiß immer recht lieb haben; und ich besonders, Dan, das weißt Du ja,« versetzte Carl, indem er dem Neger die Hand drückte. »Aber,« fuhr er dann fort, »würde es Kapitain Bosse nicht leid thun, wenn Du ihn verließest? er ist so gut gegen uns gewesen und wir dürfen ihm doch nichts Unangenehmes zufügen.«
»Der Kapitain verliert mich allerdings nicht gern, ich habe ihm aber schon oft gesagt, daß ich das Seefahren müde sei, und lieber auf dem Lande leben würde, wenn ich dort einen liebevollen guten Herrn wüßte. Er hat auch nichts dagegen, und hat mir erklärt, daß er meinem Wunsche nicht im Wege stehe. Wenn Ihr Onkel mich in seinen Dienst nehmen will, so würde ich sicher Alles thun, um mich ihm nützlich zu machen und mir seine freundliche Gesinnung zu erhalten.«
»Gut, so gehst Du mit uns, wohin wir auch ziehen werden, bester Daniel, und Nichts in der Welt soll uns wieder trennen,« sagte Carl, außer sich vor Freude. »Nun will ich schnell nach Hause eilen und es Onkel sagen, daß Du mit uns leben willst. Ich habe noch Nichts davon erwähnt, weil ich mit Dir erst darüber sprechen wollte. Morgen früh komme ich wieder zu Dir.« Hiemit sprang Carl auf, drückte dem Neger nochmals liebevoll die Hand, und eilte mit hochschlagendem Herzen nach dem Gasthaus zurück. Als er in das Zimmer trat, herrschte dort noch immer dieselbe ernste, gedrückte Stimmung. Turner schritt in Gedanken versunken auf und nieder, und die Andern saßen schweigend und wie in ihr Schicksal ergeben, umher.
»Nun, Carl, hast Du einen Spaziergang gemacht?« sagte Turner zu ihm, nur um Etwas zu sagen und strich ihm im Vorüberschreiten mit der Hand über die reichen Locken.
»Nein, Onkel, ich bin auf dem Goliath gewesen und bringe Dir eine recht erfreuliche Nachricht.«
»Erfreulich, Carl?« wiederholte Turner mit einem Ausdruck der Wehmuth und sah den Knaben fragend an.
»Ja, recht erfreulich, Onkel: Daniel will bei uns leben und mit uns arbeiten. Ich habe ihm gesagt, in welcher Lage wir uns befinden, und weil wir ihn freundlich behandelt haben, hat er sich entschlossen, uns zu helfen und beizustehen. Er ist doch recht gut.«
»Ist es möglich, Carl? Das wäre für uns ja mehr werth, als das ganze Geld, welches wir verloren haben. Und das hätten wir Dir wieder zu verdanken, Du braver, treuer Junge; wir sind so schon so tief in Deiner Schuld!« sagte Turner überrascht und bewegt und heftete seinen freudigen Blick auf den Knaben, indem er ihm beide Hände auf die Schultern legte.