»Das muß man an der Frontier gewohnt werden,« entgegnete Warwick sich schüttelnd. »Es thut auch keinen Schaden in diesem Klima; in einer halben Stunde sind Sie wieder trocken.«
»In meinem Vaterlande dürfte man es freilich nicht wagen, so in dem nassen Zeug zu bleiben, man würde sich eine Krankheit dadurch zuziehen,« bemerkte Turner.
»Darüber können Sie sich beruhigen, das Bad wird Ihnen sehr gut bekommen. Lassen Sie uns nur weiter reiten, der Wald ist hier nicht mehr breit und in der Prairie jenseits soll uns die Sonne bald genug trocknen,« antwortete Warwick und ließ, wo es die Schlingpflanzen ihnen gestatteten, sein Pferd tüchtig ausschreiten.
Nach Verlauf von einer Viertelstunde zeigte sich auch in der Ferne vor den Reitern eine Oeffnung in den dichten dunkeln Baummassen, durch welche der Pfad, wie durch eine Pforte hinaus in die, mit hellem blendenden Sonnenlichte bedeckte Prairie führte. Als Warwick diese Oeffnung erreichte und sein Pferd mit ihm unter den weitausgestreckten Aesten einer uralten Eiche in das Freie hinaus schreiten wollte, hielt er es plötzlich an und sagte, indem er sich zu seinen Gefährten umwandte:
»Jetzt aber, Herr Turner, sollen Sie Büffel sehen! Seit langer Zeit bin ich so zahlreichen Heerden nicht begegnet. Schauen Sie nur über die Prairie; alle jene schwarzen Striche bis in die weite Ferne sind Büffelheerden.« Hierbei zeigte er mit der Hand über die unabsehbare Grasflur. Nur wenige hundert Schritte vom Walde weideten wohl über tausend Büffel in einer Heerde zusammen, die sich um die anderen, weiterhin grasenden nicht zu kümmern schienen; denn als die vier Reiter sich vor dem Walde zeigten, hoben sie sämmtlich ihre Köpfe aus dem Grase hervor und schauten verwundert nach den Fremden hin, während hier und dort die Heerden sich in einen schwerfälligen Galopp setzten und davon jagten. So weit das Auge reichte, war die Prairie von diesen riesigen Thieren belebt, und zwischen ihren einzelnen Abtheilungen sah man Rudel von wilden Pferden, von Hirschen und von Antilopen weiden.
»Hier kommt Niemand in die Gefahr, Hunger zu leiden,« sagte Warwick, der das Erstaunen seines Gastes bemerkte. »Es würde uns ein Leichtes sein, zwischen eine solche Heerde hineinzujagen, und ein Dutzend dieser Thiere zu erlegen. Die Weide hier muß einen eigenen Reiz für sie haben, denn wenn man weit und breit kein Wild antrifft, hier geht man niemals fehl.«
»Wollen wir nicht einmal dazwischen sprengen und ein Paar Büffel schießen?« sagte Carl, indem er mit strahlendem Blick auf die immer noch unbeweglich dastehenden Thiere sah.
»Es würde unsre Pferde ermüden und uns von dem eigentlichen Zweck unseres Rittes abziehen,« entgegnete Warwick.
»Und wir würden ja auch gar keinen Nutzen von den erlegten Thieren haben, da wir Fleisch nicht mit uns nehmen können; nur um des Vergnügens willen muß man kein Geschöpf tödten,« bemerkte Turner freundlich, und Carl stellte sich damit zufrieden, obgleich er gar gern seinem Falben die Zügel hätte schießen lassen. Sie ritten nun in die Prairie hinaus und folgten dem Waldsaume, während die Büffelheerde, die sie so verwundert betrachtet hatte, sich jetzt in Galopp setzte und ihren Kameraden nacheilte.