»Ja wohl, und das Ungeheuer würde ihn todt gemacht haben, wäre ich nicht hinzugekommen, denn er lag unter demselben und wehrte sich so gut er konnte. Als mich nun der Jaguar in meiner Falle erblickte, verließ er Pluto und wandte sich gegen mich, aber der treue Hund fiel ihm schnell in die Keule, und ich gewann Zeit, meinen Schuß anzubringen.«
»Und ein Meisterschuß war es, gerade durch den Schädel. Hatten Sie ihn denn mit dem ersten Lauf gefehlt, Sie haben doch zweimal geschossen?«
»O nein, ich muß ihn auch das erste Mal getroffen haben, denn er stürzte im Feuer zusammen, dennoch habe ich nicht sicher geschossen, da ich nach seinem Kopfe zielte.«
»Sie haben mit der Büchse gewankt, hier ist das Kugelloch, der Schuß ist ihm durch den Hals gegangen,« sagte Daniel, indem er Pluto zurückzog und auf den mächtigen Nacken des Tigers zeigte.
»Ja, Daniel, ich gestehe es, das Herz schlug mir gewaltig, so daß ich es laut hören konnte und es flimmerte mir vor den Augen. Das nächste Mal aber, wenn ich wieder nach einem Jaguar schieße, soll es besser gehen. Gefürchtet habe ich mich aber nicht,« sagte Carl und warf das schöne Thier auf den Bauch, um die herrliche Zeichnung der schwarzen Flecken auf seinem Rücken zu bewundern. Als Carl es anfaßte, fiel Pluto sofort wieder über den Feind her, doch jener zog ihn mit den Worten zurück: »Laß ihn in Ruhe, er ist todt, und Du verdirbst das schöne Fell,« dabei schmeichelte er den Hund und wandte sich an Daniel: »Was wirst Du mir denn aus diesen Fangzähnen machen?«
»Gar nichts, ich will Ihnen den ganzen Schädel aufbewahren; wir vergraben ihn in einen Ameisenhaufen; die Ameisen nagen das Fleisch sehr sauber ab, darauf legen wir ihn in die Sonne, damit er recht schön weiß bleicht und dann hängen Sie ihn an einen Nagel über Ihr Bett. Sie werden sich noch manchmal über den Meisterschuß freuen. Nun aber muß ich mich wahrhaftig eilen, um die Haut noch abzunehmen, ehe es ganz dunkel wird.«
Hiermit stellte der Neger die wieder abgespannte Büchse an einen Baum, zog das Messer aus der Scheide, und begann, bei dem Jaguar niederknieend, denselben seines schönen Kleides zu berauben. Carl war ihm dabei behülflich, während Daniel ihn unterwies und Vorsicht anempfahl, nicht in die Haut zu schneiden. Dieselbe wurde bis an den Kopf abgestreift, dieser nun von dem Körper getrennt und somit war die Arbeit beendet, während die Nacht vollständig hereingebrochen war. Daniel warf das Fell über seine Schulter und ergriff die Büchse, da trat Carl nochmals zu dem Jaguar hin und sagte: »Ich will mir doch nun auch seine Krallen zum Andenken mitnehmen.«
Er schnitt sie schnell von den Tatzen ab, steckte sie in seine Jagdtasche und folgte nun dem Neger, der sicheren Schrittes durch die Finsterniß dem Waldsaume zueilte. Auf dem Wege bis dorthin geriethen sie aber wiederholt so sehr in die Ranken und Dornen des Dickichts, daß ihnen Hand und Gesicht blutete, als sie die Prairie erreichten.
»Morgen will ich doch gleich einige Hirschhäute gerben, damit wir uns Lederanzüge machen können. Wir werden schön aussehen, wenn wir nach Hause kommen,« sagte Daniel, nun rasch an dem Walde hinschreitend, der sich wie eine schwarze Wand zu dem sternbedeckten Himmel erhob.
»Hier ist das Kleid des Räubers!« rief Carl triumphirend, als Turner das Thor öffnete und die beiden Jäger einließ.