»Ich werde morgen Hirschhäute gerben, aus denen wir uns Kleidung machen wollen, denn aller andere Stoff hält auf der Jagd nicht aus. Auch meine Jacke hat diesmal große Noth gelitten,« fiel der Neger ein und verließ mit den Worten das Zimmer: »Ich will schnell noch die Häute der zuletzt geschossenen Hirsche in das Wasser legen, damit sie weich werden.«
Bald kehrte er zurück und nahm mit Turners am Tische Platz, um das Abendbrod zu verzehren. Nachdem dies geschehen war, griff ein Jedes wieder zu einer Arbeit, und Daniel kam heute mit der Anfertigung des Pulverhorns und des Trinkbechers zu Ende, welche er Carl überreichte, als sie sich erhoben, um sich zur Ruhe zu begeben. Beide Hörner waren äußerst sauber und geschmackvoll gearbeitet und machten Carl außerordentlich große Freude. Er dankte dem freundlichen Neger von ganzem Herzen und wünschte nur eine Gelegenheit zu finden, ihm gleichfalls eine Freude bereiten zu können.
Abschnitt 5.
Lederbereitung. – Die Poolkatze. – Büffeljagd. – Der Lasso. – Die wilden Bienen. – Weihnachtsabend. – Vorsichtsmaßregeln. – Der Mais. – Die Biber. – Der Alligator. – Die Wacoindianer.
Am folgenden Morgen holte Daniel die Hirschhäute aus dem Fluß und rief Carl zu sich, um ihm zu zeigen, in welcher Weise sie zu bereiten seien. Er hatte zu diesem Zwecke mehrere Hirschköpfe aufbewahrt, schnitt auch den des Jaguars aus dessen Haut, und nahm nun aus sämmtlichen Schädeln das Gehirn heraus. Er mischte dasselbe in einem Gefäße mit Wasser zu einem dünnen Brei, und nachdem er die Hirschhäute auf ein von der Rinde entblößtes Stück Baumstamm gelegt und mit einem Ziehmesser von allen Fleischtheilen und von den Haaren gereinigt hatte, bestrich er sie mit diesem Brei, faltete sie dann mehrere Male zusammen und legte schwere Steine darauf. Die Jaguarhaut behandelte er ebenso, nur ließ er das Haar auf ihr sitzen. In dieser Weise ließ er sie bis zum folgenden Morgen liegen, wusch sie dann im Flusse sauber aus und hing sie im Schatten auf. Noch ehe sie aber ganz trocken wurden, nahm er sie ab, um sie trocken zu reiben. Er hatte zu diesem Zwecke ein breites Brett in die Erde eingeschlagen, dessen in die Höhe stehendes Ende zugeschärft und nach den Seiten hin abgerundet war. Auf diese nach oben stehende Schärfe legte er nun eine Haut und zog dieselbe darauf von einer Seite nach der andern hinunter, wobei er alle Kraft anwandte, um die Fasern derselben auseinander zu dehnen.
Die Haut wurde hierdurch sehr geschmeidig und weich, besonders nachdem Daniel sie zuletzt noch zwischen seinen Händen ganz trocken gerieben hatte. Die Hirschfelle verarbeitete er auf beiden Seiten auf dem Holze, während er die Jaguarhaut nur auf der Fleischseite rieb, da sie ja das Haar behalten sollte. Nun war das Leder fertig und so zart und weiß, wie es ein Weißgerber nicht schöner machen konnte. Damit es aber durch Naßwerden nicht wieder zusammenschrumpfen und hart werden sollte, wurde es geräuchert. Dies vollbrachte Daniel dadurch, daß er ein zwei Fuß tiefes Loch in die Erde grub, dessen obere Oeffnung die Größe der Haut hatte. Er entzündete nun in der Vertiefung ein Feuer, warf eine Menge faules Holz darauf, so daß es nur kohlte und stark rauchte, und spannte die Haut glatt darüber aus, indem er sie mit hölzernen Nägeln rundum auf den Erdboden festnagelte. Von Zeit zu Zeit lüftete er das Fell, um das Feuer mit faulem Holze zu versehen, und ließ in dieser Weise das Leder ganze zwölf Stunden räuchern, wodurch es eine schöne goldbraune Farbe bekam und vor allem Hartwerden für immer gesichert ward. Madame Turner schnitt nun aus dem Leder zwei Jacken, eine für Carl und die andere für Daniel, und übergab sie Julie zum Nähen, während sie sich des Abends selbst bei dieser Arbeit betheiligte. In gleicher Weise wurden auch bald für die beiden Jäger Beinkleider angefertigt, so daß sie auf ihren Streifzügen nicht mehr so sehr durch die Dornen zu leiden hatten, und auch für Arnold und Wilhelm verfertigte Madame Turner und Julie solche Lederanzüge. Die Jaguarhaut war Carls Stolz, sie prangte von nun an auf seinem Sattel als Decke und gewährte ihm durch ihr kurzes strammes Haar, welches den Tiger von dem Leoparden unterscheidet, einen ebenso sichern als kühlen Sitz.
Turner war täglich bemüht, seine beiden Knaben gleichfalls in dem Gebrauch der Waffen zu üben, er ließ sie nach einem Ziel schießen, und sie mußten sich auch an Wild versuchen, wenn dasselbe in die Nähe des Forts kam. Beide Knaben schossen schon sehr sicher, sowohl mit der Büchse, als auch mit dem Revolver, und beide hatten schon verschiedenes Wild erlegt. Carl dagegen übte sich, so oft es seine Zeit erlaubte, in dem Gebrauch des Lasso's, einem aus Büffelhaut verfertigten dreißig Fuß langen Strick, an dessen Ende sich eine Schlinge befand. Die Kunst, den Lasso zu gebrauchen, besteht darin, daß man die Schlinge auf die Entfernung der Länge des Strickes einem Thiere über den Kopf wirft, um dasselbe darin zu fangen. Carl übte sich an leblosen Gegenständen, mitunter aber mußten auch Arnold und Wilhelm die Stelle des Wildes vertreten, und im vollen Laufe hinter ihnen her, gelang es ihm häufig, ihnen die Schlinge über den Kopf zu werfen, was dann stets einen großen Jubel veranlaßte. Geschickte Lassowerfer aber, wie Daniel einer war, sind sogar im Stande, ein flüchtiges Thier an einem beliebigen Fuß zu fangen, indem sie die Schlinge gerade auf den Fleck auf die Erde werfen, wo das Thier den Fuß hinsetzen wird, worauf sie den Strick rasch an sich ziehen und die Schlinge sich um den Fuß zuzieht. Daniel hatte von Warwick einen alten Lasso geschenkt bekommen, wollte aber, sobald ihm die Arbeit Zeit gestatten würde, einige Büffel tödten und aus ihren Häuten Lasso's für sich und für Carl anfertigen.
Die Arbeiten bei und in dem Fort waren vor der Hand beendet, der Garten lieferte die herrlichsten Gemüse und war mit den wundervollsten Blumen geschmückt, welche Carl und Daniel bei ihren Jagdausflügen aus dem Walde und aus der Prairie mitgebracht hatten; es waren Lorbeerbäume, Magnolien, Maulbeer- und Pflaumenbäume hineingepflanzt, über der Quelle im Fort war ein Milchhaus erbaut und mit Schilf dicht behangen, so daß die Sonne keinen Einfluß auf dessen innere Kühle ausüben konnte, und an den beiden vorderen Ecken des Forts waren die Pallisaden in der Form von Thürmchen vorgebaut worden und Schießöffnungen darin angebracht, so daß man aus ihnen die Wände der Festung beschießen konnte.
An einem kühlen Decembermorgen zeigten sich viele Büffelheerden auf der Prairie und Daniel schlug vor, zu Pferde eine Jagd auf sie zu machen, theils um einige Häute zu bekommen, theils aber auch, um Fleischvorrath einzusalzen und zu räuchern, weil jetzt in der kühlen Jahreszeit dies mit weniger Gefahr vor Verderben geschehen konnte. Carl, der sich schon lange auf eine solche Jagd gefreut hatte, war sofort bereit, die Pferde wurden gesattelt, das Riemenwerk noch genau nachgesehen, über die Jaguarhaut wurde noch besonders ein Gurt geschnallt, und kaum hatte die Sonne ihr neues Licht über die in ihrer Winterflur bunt schimmernde Prairie ausgebreitet, als die Jäger ihre muthigen Rosse den Hügel hinab in das hohe Gras lenkten. Turners standen vor dem Thore und winkten den Reitern noch so lange nach, bis dieselben zwischen den einzelnen Baum- und Gebüschgruppen, die sich wie Inseln hier und dort aus der Prairie erhoben, vor ihren Blicken verschwunden waren.
Turner hatte sich in den Garten begeben, seine Frau und Tochter waren zu ihren häuslichen Arbeiten zurückgekehrt, und die beiden Knaben wollten nach dem Boote gehen, um mit der Angel dort einige Fische zu fangen. Pluto begleitete sie und sie hatten das Ufer noch nicht erreicht, als sie plötzlich ein Thier vor sich im Grase gewahrten, welches die Größe einer Katze hatte und glänzend schwarz und blendend weiß vom Kopf nach dem Hintertheil gestreift war. Die Knaben sprangen darauf zu, um das Thier zu fangen, welches jedoch statt zu fliehen, seinen mit fußlangen weißen Haaren bewachsenen Schwanz über seinen Rücken legte und sich ganz mit demselben bedeckte. Die Knaben wollten das ihnen unbekannte Thier lebendig mit nach Hause nehmen und riefen Pluto zu sich, doch dieser fiel zornig über dasselbe her und wollte es mit den Zähnen erfassen. Das Thier aber biß ihn gewaltig in die Nase, so daß der Hund mit einem Klagelaut zurücksprang, zugleich aber wandte es sich mit seinem Hintertheil nach ihm hin, und spritzte mit seinem Urin eine stinkende Flüssigkeit, welche es in einer Drüse bei sich trägt, über ihn und über die beiden Knaben aus. Ein furchtbarer, Ekel erregender Geruch erfüllte sofort die Luft, der erzürnte Pluto jedoch fiel abermals über das Thier her und biß es todt. Die Knaben eilten von ihm weg, weil sie den Geruch nicht ertragen konnten, Pluto aber, mit dem Thier zwischen den Zähnen, folgte ihnen, und so kamen sie denn sämmtlich bald darauf in der Stube bei Madame Turner an, wo der Hund seine Beute niederlegte.
»Um des Himmels willen, was ist das für ein schrecklicher Geruch, den Ihr mir in das Zimmer bringt?« rief Madame Turner entsetzt aus, denn die Luft im ganzen Hause schien in dem Augenblick verpestet zu sein.