(Toni ist zum Fenster getreten.)
Frau Selicke: Hörst Du denn immer noch nichts, Toni?
Toni: Nein!
Frau Selicke: Ach Gott, nein! So ein Mann! Nicht ein bischen Rücksicht! ... Das ist ihm hier alles egal, alles egal! ... So ein alter Mann! ... Er sollte sich doch nu schämen! ... Nein, wahrhaftig! Ich hab’ auch nich ’n bischen Liebe mehr zu ihm! Aber auch nich ’n bischen! ... Für mich is er so gut, wie todt! ... Ach ja! Ich kann wohl sagen: mir ist alles so gleichgültig! Wenn das arme Würmchen nich noch wär’! ... Jahraus, jahrein dasselbe Elend! ... Ach, ich kann wohl sagen: ich habe mein Leben recht satt! ... Is gar kein Wunder, wenn man gegen alles abstumpft! ... Wie gut hätten wir’s haben können! ... Wie leben andre Leute in unsrem Stande! Wenn man so nimmt! Mohr’s! ... Der Mann is ’n einfacher Handwerker gewesen und hat jetzt sein schönes Haus! Und die Wirthschaft! Was haben die Leute für ’ne Wirthschaft! ... Na, un bei uns? ... Un der will nun ’n gebildeter Mann sein! ... Nein, wie das bei uns noch werden soll? ... Und an allem bin ich Schuld! ... Ich verzieh’ die Kinder! Ich vernachlässige die Wirthschaft! Alles geht auf mich! ... Und da sollen die Kinder noch Respekt vor einem haben! ... Ach Gott, nu sitzt man wieder hier und zittert und bebt! ... Und wenn man nur nicht dabei so hinfällig wär’! ...
Walter (steckt den Kopf durch die Kammerthür): Mutterchen?!
Frau Selicke (fährt herum): Was! ...
Walter: Mutterchen! Kommt er denn immer noch nich?!
Frau Selicke: Ach, Du?! — Ich denke, Du bist schon lange eingeschlafen? ... Biste denn nur nich gescheidt, Junge?! ... Mach mal gleich, dass Du wieder in’s Bett kommst! Du willst Dich wohl erkälten?! Was?!
Walter: Ach, ich habe ja solche grosse Angst!
Frau Selicke: Nein, so was! ... Leg Dich mal gleich hin!