Doch wenn im März die Sonne warm ans Flugloch scheint, dann kommt Bienlein auf Bienlein herausgekrochen ans warme Licht. Sie putzen sich und streichen sich über die Fühler, wischen über die großen Netzaugen, reiben die drei Punktaugen auf der Stirn und fliegen ein Stückchen umher, um die Glieder zu üben und um einem monatelang unterdrückten Geschäft obzuliegen. Und nach dem ersten, dem Reinigungsausflug, beginnt die Arbeit dort, wo sie im Vorjahre liegen gelassen wurde. Die Königin legt Eier, die Arbeiter reinigen den Stock, tragen die Leichen der im Winter Verstorbenen aus dem Stocke und fliegen umher, zu sehen, ob Blauveilchen schon das Wirtshaus offen hat und die Weide den Honig in Strömen fließen läßt.
Dann geht es ans Ausbessern der alten und an das Bauen neuer Waben, doch dann, wenn es wärmer wird, dann scheint es, als ob die Bienen mitunter das rechte Maß für die Wabenzellen vergessen hätten. Mitten zwischen den gleichmäßigen Sechsecken der normalen Kämmerchen bauen sie große Zimmer ein und am Rande der Brutwabe lassen sie noch größere Zellen entstehen. Und die Königin kommt und legt in die gewöhnlichen Kämmerchen Eier und in die größeren dann auch.
Doch die bevorzugten Larven in den großen Kinderstuben müssen etwas besonderes vorstellen, sie werden viel reichlicher und besser gefüttert als ihre Schwestern in den engen Kammern. Und wirklich, ganz dicke, rundköpfige Bienen mit breiten Hinterleibern schlüpfen aus den Kammern. Sie arbeiten nicht, stehen immer im Wege, betteln fortwährend um Honig, kurz, recht unnütze Geschöpfe sind es. Wenn die Sonne recht warm scheint, dann spielen sie unter lautem Gebrumm vor dem Flugloch, aber die erste trübe Wolke jagt sie wieder in den Stock. Bienenmänner, Drohnen sind es.
Wieder vergehen einige Tage, da regt sich’s und bewegt sich’s in einer der großen Zellen am Rande der Brutwabe. Ein heißer, sonniger Tag ist’s, und die Bienen sind aufgeregt und stechlustig wie nie. Wie eine Wolke tanzen sie vor dem Flugloche auf und nieder, immer mehr kommen dazu, keine denkt an Arbeit, keine an Honigsammeln. Da kommt Apis aus dem Stocke, tastet mit den Fühlern, brummt mit den Flügeln und fliegt dann auf und davon. Und hinter ihr brummt und summt ihr Bienenvolk. Die Bienen schwärmen; sie ziehen aus, denn im Stocke will eine junge Königin herrschen.
Aus der dicken Zelle am Wabenrande, der Weiselwiege, schlüpft am nächsten Tage eine schöne große, schlanke Biene. Kaum sind ihre Flügel fest und die Ringe ihres Leibes verhärtet, da fliegt sie hinaus zum Flugloch, schwingt sich hoch in weicher, warmer Luft, und hinter ihr brummt und summt ein wildes Heer stürmischer Freier. Hoch oben im Äther wird Hochzeit gehalten. Nach kurzem Liebestaumel stirbt der Prinzgemahl, die junge Königin kehrt zurück zum Stock.
Zwar soll sie künftigen Generationen das Leben geben, doch ihr erstes Werk ist Mord. Sie läuft von Weiselwiege zu Weiselwiege und tötet ihre königlichen Geschwister, sich so die Herrschaft über alle Arbeiterinnen sichernd. Und die Bienen setzen das Blutbad fort, das die Königin begonnen. Sie stürzen sich auf die dicken Fresser, die unnützen Schmarotzer, die Drohnen, stechen und beißen sie im Stocke oder vor dem Flugloche, so daß sie todkrank zu Boden taumeln, eine leichte Beute für Rotschwanz und Fliegenschnäpper.
Unnütz sind die Bienenmänner, sobald die Königin ihren Hochzeitsausflug gemacht hat; nur einmal im Leben begattet sie sich, um dann Tausende von Eiern zu legen, befruchtete in die Arbeiterzellen und Weiselwiegen, unbefruchtete in die Drohnenkammern. Man hat beobachtet, daß sich die unbefruchteten Eier trotz reichlicher Nahrung sehr langsam entwickeln, es fehlt ihnen ja der männliche Teil Zeugungsmaterial, vierundzwanzig Tage vergehen während der Entwicklung. Die Weiseleier brauchen dagegen nur sechszehn Tage, während die Kümmerweibchen, die Arbeiterinnen, bei ihrer geringen Nahrung zwanzig Tage nach Ablage des Eies ausschlüpfen.
Forscher haben genau nachgeprüft, welche Umstände die Königin veranlassen, immer die richtige Art Eier in die Zellen zu legen, welche Sinneseindrücke die Bienen zum Suchen von Honig, zum Pflegen der Brut veranlassen; man hat die Nervenapparate der Bienen ins feinste untersucht und ist beim Lösen alter Fragen auf immer noch neue gestoßen. Der Mensch kann ja nicht über die Grenzen seiner Erkenntnis hinaus, er ist schon stolz, wenn er sie um ein Kleines weiter geschoben hat.
Hüttenjagd
Mit einem Sack voll Mais und Weizenspreu auf dem Rücken geht der alte Förster hinaus in die Fasanerie, um die bunten Vögel aus Kleinasien zu füttern, damit sie nicht in Nachbarreviere auswandern auf der Suche nach Nahrung. Treff, der Hühnerhund, durfte nicht mit, um die Fasanen nicht zu stören, sogar die Doppelflinte blieb zu Haus, weil das Körnerfutter gerade schwer genug zu tragen war. Vornübergebeugt unter der Last schreitet der alte Graubart durch den Mischwald, wo die Bäume weitläufig stehen, um dem Unterholze Licht genug zu üppigem Wachstum zukommen zu lassen. Nun nähert er sich der langgezogenen Fichtendickung, dem Futterplatze. Da ertönt ein tiefer, rauher Warnlaut, und eine Schar Krähen schwingt sich eiligst aus der dichten Deckung, um unter lautem Gekrächz das Weite zu suchen. Sie haben sich gütlich getan an dem Getreide, das die Fasanen übrig gelassen haben. „Na warte“, knurrt der Förster, „euch will ich’s zeigen, daß der Mais nicht für euch bestimmt ist. Hundert Fasanen durch den Winter füttern und auch noch Hunderte fremder, ungeladener Gäste, das wird zu teuer. Gleich morgen will ich mit dem Uhu einmal mein Glück versuchen und euch schwarzem Gesindel das Handwerk legen.“