Es ist wohl kaum nötig zu sagen, daß, als die Operation nach zwei Stunden vorüber war, aus dem Kranken ein Sterbender geworden war.
In der Absicht, von diesem hervorragenden Arzte (er stand bei den Tibetern in großem Ansehen) einige Winke über Heilkunde zu erhalten, sandte ich ihm ein kleines Geschenk und lud ihn ein, mich zu besuchen. Er war sehr geschmeichelt und trug kein Verlangen, seine Methode geheimzuhalten, ja, er forderte mich sogar dringend auf, einige seiner unvergleichlichen Heilmittel zu versuchen.
Nach seiner Meinung sollte das Feuer die meisten Krankheiten heilen; was Feuer nicht heilen könne, würde Wasser heilen. Trotzdem hatte er einige kleine Pakete mit verschieden gefärbten Pulvern, denen er außerordentliche Kräfte zuschrieb.
»Ich fürchte, dein Patient wird sterben«, bemerkte ich.
»Das mag sein,« war die Antwort, »aber daran wird der Patient schuld sein, nicht die Kur. Außerdem, was kommt es darauf an, ob man heute oder morgen stirbt?«
Und mit diesem berufswidrigen Diktum verließ er mich.
Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Räuber.
Als ich die Gomba verließ, nachdem meine neuen Freunde, die Lamas, ihre Salaams bis zur Erde gemacht hatten, ging ich in dem Dorfe herum, um alles zu besichtigen, was dort zu sehen war.
Am Rande des Wassers stand eine Anzahl verfallener, aus Lehm und Steinen gebauter Tschokden. Sie standen an dem Ostende des Dorfes in einer Reihe und sollten wie üblich Knochen, Zeug oder Metall und Bücher oder Teile derselben enthalten, die einst einem großen Manne oder einem Heiligen gehört haben. Gelegentlich finden sich auch roh gezeichnete Bilder in ihnen. In seltenen Fällen werden die Aschenüberreste eines Toten in einer kleinen irdenen Urne gesammelt und in einem der Tschokden niedergelegt. Die Asche wird gewöhnlich mit Ton zu einer Paste verarbeitet, auf die, wenn sie als ein Medaillon plattgedrückt worden ist, ein Bild Buddhas entweder mit einer Form eingepreßt oder vermittelst eines spitzen Werkzeugs eingraviert wird.
Das Innere der Häuser in Tucker ist noch weniger einnehmend als das Äußere. Jede Wohnstätte hat einen von Mauern umschlossenen Hof, und der obere Rand der Mauer wie auch die Kante des flachen Daches sind mit Massen von Tamarisken belegt, die zur Feuerung dienen. In dem Hofe werden Schafe und Ziegen während der Nacht eingepfercht; die menschlichen Wesen, die die Zimmer bewohnen, sind über alle Beschreibung schmutzig. Sowohl über dem Kloster als auch über jedem Hause hingen Hunderte von fliegenden Gebeten, und da die Leute oben auf ihren Dächern standen, uns beobachteten und lustig lachten und schwatzten, hatte der Ort ein ganz heiteres Aussehen.