Für Räuber gehalten zu werden, war in der Tat eine neue Erfahrung für uns, und die kriegerische Ausrüstung stand in seltsamem Kontrast zu dem erschreckten Ausdruck auf den Gesichtern der Leute vor uns. Wirklich gingen sie, als Tschanden Sing und ich vortraten und ihnen Zeichen machten, ihre Schwerter wieder in die Scheide zu stecken und die Luntenflinten wegzulegen, bereitwilligst auf unsere Aufforderung ein und brachten schnell Decken heraus, auf die wir uns setzen sollten. Nachdem sie ihren ersten Schrecken überwunden hatten, waren sie sehr bemüht, höflich zu sein.
»Kiula gunge gozai deva labodu. Du hast hübsche Kleider«, begann ich die Unterhaltung, indem ich es mit Schmeichelei versuchte, um dem Häuptling die Schüchternheit zu benehmen.
»Lasso, leh. Ja, Herr«, antwortete der Tibeter, augenscheinlich erstaunt, indem er mit einer Miene komischen Stolzes seinen Anzug betrachtete.
Die Antwort genügte, mir zu zeigen, daß der Mann mich als einen Höherstehenden betrachtete; denn im Tibetischen ist die Bejahung einem Gleichgestellten oder Tieferstehenden gegenüber das bloße Wort lasso, ohne das Affix leh.
»Kiula tuku taka zando? Wieviel Kinder hast du?« fing ich wieder an.
»Ni. Zwei.«
»Tschuwen bogpe tsamba tschon wowi? Willst du mir Mehl oder Tsamba verkaufen?«
»Middu. Wir besitzen gar keins«, erwiderte er, indem er mit der nach oben gekehrten flachen rechten Hand mehrere schnelle halbkreisförmige Bewegungen machte.
Dies ist bei den Tibetern eine äußerst charakteristische Bewegung, und sobald sie nein sagen, begleitet diese Bewegung das Wort fast unfehlbar anstatt der bei uns üblichen Kopfbewegung.
»Keran ga naddung? Wo gehst du hin?« fragte er mich eifrig.