Von diesen Leuten kaufte ich ungefähr dreißig Pfund Tsamba und acht Pfund Butter und veranlaßte auch einen von ihnen, mir die Sachen nach meinem Lager zu tragen. Meine Jake bekam ich ohne weitere Mühe wieder und trieb sie nach der Stelle zurück, wo Tschanden Sing und Man Sing beschäftigt waren, ein Feuer anzuzünden, um Tee zu machen.
Gegen Mittag, als unsere Sachen in der warmen Sonne fast trocken geworden waren, bewölkte sich der Himmel, und es fing wieder heftig zu regnen an. Ich wußte nicht recht, ob ich einen Paß, der im Osten einige Kilometer entfernt war, überschreiten oder dem Laufe des Flusses folgen und um den Fuß der Berge herumgehen sollte.
Wir sahen eine große Anzahl Tibeter, die in einer der unsern entgegengesetzten Richtung wanderten. Als wir uns ihnen näherten, um mit ihnen zu sprechen, schienen sie alle sehr erschreckt. Von ihnen erhielten wir noch einige Pfund Lebensmittel, doch weigerten sie sich, uns einige Schafe, von denen sie Tausende mit sich hatten, zu verkaufen.
Ich entschloß mich, den erwähnten Paß zu versuchen, und so kamen wir, nachdem wir zuerst über eine Fortsetzung des ebenen Plateaus, dann über welligen Boden gegangen waren, an zwei kleine Seen. Der Aufstieg über den Schnee war verhältnismäßig leicht; wir gingen an dem von der Höhe kommenden Flusse entlang. Als wir ungefähr halbwegs oben waren, sahen wir acht Soldaten auf uns zugaloppieren. Wir erwarteten sie; als sie uns erreicht hatten, führten sie die gewöhnlichen unterwürfigen Begrüßungen aus, indem sie ihre Waffen auf den Boden legten, um zu zeigen, daß sie nicht die Absicht hätten zu kämpfen. In einer langen freundschaftlichen Unterredung, die wir mit ihnen hatten, versicherten die Tibeter uns ihrer Freundschaft und ihrer Bereitwilligkeit, uns auf jede ihnen mögliche Art zum Vorwärtskommen behilflich zu sein. Dies war fast zu gut, um wahr zu sein, und ich vermutete Verrat, um so mehr, als sie uns dringend aufforderten und baten, mit nach ihren Zelten zurückzugehen, wo wir als ihre hochgeehrten Gäste bleiben und mit allen Köstlichkeiten überschüttet werden sollten, die des Menschen Geist sich vorstellen kann. Bei genauerer Erklärung fanden wir, daß diese Köstlichkeiten in Geschenken von Tschura, Käse, Butter, Jakmilch und Tsamba bestanden und daß sie uns Pferde verkaufen wollten, wenn wir sie brauchten. Deshalb dankte ich ihnen herzlich und sagte, daß ich vorzöge, meinen Weg fortzusetzen und meine augenblicklichen Leiden zu ertragen.
Die Tibeter besitzen einen guten Sinn für Humor und wissen den Sarkasmus immer zu würdigen. So bemerkten sie, daß ich nicht leicht zu fangen war, und achteten mich deshalb. Sie konnten ihr außerordentliches Erstaunen nicht verbergen, daß ich mit nur zwei Leuten so weit gelangt war. Wir hatten eine sehr amüsante Unterhaltung, in der viel tibetischer Witz und Schlauheit zum besten gegeben wurde; endlich, nachdem ich meinen Besuchern einige kleine Geschenke gemacht hatte, schieden wir in freundschaftlicher Weise.
Nun stiegen wir zu dem 5625 Meter hohen Paß empor und fanden auf der andern Seite, ungefähr 600 Meter tiefer, eine weite Strecke ebenen Landes vor uns. Ich erblickte einen See und nahm an, daß es der Gunkyo wäre. Um mich indessen darüber zu vergewissern, ließ ich meine Leute und die Jake auf dem Passe und ging fort, um von einem 5790 Meter hohen Berge nordöstlich von uns zu rekognoszieren.
Es lag viel Schnee, und der Aufstieg war schwierig und langweilig. Als ich auf der Höhe anlangte, versperrte mir ein anderer höherer Gipfel vor mir die Aussicht, so daß ich, erst hinunter- und dann wieder hinaufsteigend, diesen zweiten Berg erklomm. Ich erreichte eine Höhe von 6100 Meter und hatte einen guten Blick auf das ganze umliegende Land. Im Norden war ein langer schneebedeckter Gebirgszug und direkt unter ihm etwas, was ich nach dem Grase am untern Teil der Berge und nach dem Nebel und den Wolken, die sich darüber bildeten, für eine Wasserfläche hielt.
Ein Hügelzug, der gerade hoch genug war, um den See dahinter zu verbergen, stand mir im Wege. Ich kehrte zu meinen Leuten zurück, und wir verfolgten unsern Weg die andere Seite des Passes hinab, wobei wir in tiefen weichen Schnee einsanken. An einer etwa 150 Meter über der Ebene gelegenen Stelle schlugen wir unser Lager in einer Schlucht auf, die durch die beiden dicht aneinander tretenden Berghänge gebildet wurde. Trotzdem ich jetzt an große Höhen gewöhnt war, hatte der Aufstieg zur Höhe von über 6000 Meter mich doch einigermaßen erschöpft, und eine gute Nachtruhe würde mir angenehm gewesen sein.
Man Sing und Tschanden Sing schliefen, nachdem sie etwas gegessen hatten, fest und gesund, aber ich fühlte mich sehr niedergeschlagen.
Wir waren alle drei unter unserm kleinen Zelt, als ich mir plötzlich einbildete, es sei jemand draußen. Ich weiß nicht, wie mir der Gedanke in den Kopf gekommen war, denn ich hörte kein Geräusch, aber ich fühlte gleichwohl, daß ich nachsehen und meine Neugier befriedigen müsse. Die Büchse in der Hand, guckte ich aus dem Zelte und – sah eine Anzahl von schwarzen Gestalten, die vorsichtig auf uns zukrochen. In einem Augenblick war ich draußen, lief auf sie zu und rief so laut ich konnte: