Tibetisches Lastschaf.

Die Tibeter haben drei verschiedene Arten von Schafen, das Rabbuschaf, ein großes wolliges Tier, wie ich eins gekauft hatte; das Ratton- oder kleine Schaf, und das Tschitbu- oder Zwergschaf, dessen Fleisch eine köstliche Speise ist. Die Rabbu- und Rattonschafe sind die beiden Arten, die gewöhnlich zum Lasttragen gebraucht werden; sie sind stark genug, um auf mäßig gutem Boden mit einer Last von nicht über 20 Kilogramm täglich eine Strecke bis zu 15 Kilometer ununterbrochen gehen zu können.

Der Brahmaputra hatte hier mehrere Verzweigungen, die in kleinen Seen endigten und die Ebene zu einem Sumpf machten. Der größere Arm war sehr breit und tief. Wir zogen es vor, an ihm entlang zu gehen anstatt ihn zu überschreiten, trotzdem wir infolgedessen etwas von dem Kurse abweichen mußten, den ich sonst verfolgt haben würde. So machten wir einen großen Umweg, und selbst dabei sanken wir noch auf einer Strecke von mehreren Meilen bis an die Knie in den Schlamm oder mußten beständig durch Wasser waten, aus dem kleine Erdhügel mit Grasbüscheln hervorragten, die untersanken, wenn wir darauf traten.

Der nördliche Teil der Ebene war in der Tat außerordentlich sumpfig. Unsere Jake machten uns unendliche Mühe; denn wenn sie unverhofft in Schlammlöcher fielen, wurden sie ängstlich und unruhig und schüttelten bei ihren Bemühungen, sich herauszubringen; ein paarmal die Packsättel und Lasten ab, die wir aus Mangel an Stricken nicht ordentlich hatten befestigen können. Dennoch brachten Tschanden Sing und ich es fertig, gleichen Schritt mit ihnen zu halten. Endlich, als wir uns den Hügeln näherten, wurden die Bodenwellen größer und das Erdreich etwas trockener.

Nahe am Fuße des nördlich von uns gelegenen Bergzuges sahen wir Rauchsäulen aufsteigen. Wir gingen daher noch ein paar Kilometer weiter, erschöpft und schmutzig, während unsere Kleider, auf deren Waschen wir soviel Seife und Zeit verwendet hatten, mit Kot und Schlamm bespritzt wurden.

»Wo ist Man Sing und das Schaf?« fragte ich meinen Träger.

»Er blieb am Anfang des Sumpfes zurück. Er war zu erschöpft, um das Schaf, das du gekauft hast, vorwärts zu ziehen.«

Es beunruhigte mich nicht wenig, als ich mit dem Fernrohr von einem Hügel aus das Land ringsumher durchspähte und keine Spur von dem armen Burschen sehen konnte, und ich zürnte mir selbst, daß ich sein Verschwinden nicht eher bemerkt hatte. Da nahe bei der Stelle, wo er geblieben war, sich viele Tibeter befunden hatten, fürchtete ich, daß sie falsches Spiel mit ihm getrieben und ihn überwältigt hätten. Dann stellte ich mir wieder vor, daß er, schwach wie er war, in eins der tieferen Schlammlöcher versunken sein könnte, ohne die Möglichkeit sich zu retten. Ich ließ daher Tschanden Sing zurück, um die Jake zu beaufsichtigen, und kehrte um, ihn zu suchen. Als ich Kilometer um Kilometer zurückeilte, mich wieder halb über den Lehmsumpf hinüberarbeitete und noch immer keine Spur von dem armen Kuli sah, hegte ich ernste Befürchtungen für seine Sicherheit. Etwa ein Kilometer weiterhin zog ein Gegenstand, der sich bewegte, meine Blicke auf sich. Es war das Schaf, das anscheinend ganz allein war. Mein Mut sank, als ich auf es losging. Selbst als ich nur noch ein paar hundert Meter von dem Tier entfernt war, konnte ich Man Sing nicht erblicken. Was mochte aus ihm geworden sein?

Erst als ich ganz dicht herangekommen war, bemerkte ich den armen Kuli, der der Länge lang und halb im Schlamm versunken dalag. Er war in Ohnmacht gefallen, war aber vorsichtig genug gewesen, sich den Strick des Schafes fest um den Arm zu binden, und so war es dem armen Tiere nicht nur zu danken, daß ich ihn aufgefunden, sondern ich hatte auch unsere kostbare Akquisition gerettet. Mit einigem Reiben und Schütteln rief ich den armen Burschen wieder ins Leben zurück und stützte ihn mit dem Arm, bis wir Tschanden Sing erreichten. –