»Hazur, Hazur, hum murgiaega! Herr, Herr, ich sterbe!« Und als ich meinen Kopf nach der Seite umwandte, von wo diese Klagetöne kamen, erblickte ich meinen treuen Träger, der, die Hände auf den Rücken gebunden, auf dem Bauche zur Tür eines der andern Zimmer des Lehmhauses kroch. Sein Gesicht war kaum wiederzuerkennen: es trug die Spuren furchtbaren Leidens.

Dies konnte ich nicht mehr ertragen. Meine Wachen mit den Schultern beiseiteschiebend, versuchte ich, zu dem armen Burschen zu gelangen. Ich hatte ihn eben erreicht, als die dabeistehenden Soldaten auf mich losstürzten, mit mir rangen und mich vom Boden aufhoben. Nun warfen sie mich auf den Rücken eines Pferdes.

Obgleich ich das Schlimmste befürchtete, versuchte ich meinen tapfern Diener dadurch zu ermutigen, daß ich ihm zurief, ich würde jetzt nach Taklakot geführt und er würde mir am nächsten Tage nachgebracht werden.

Tschanden Sing hatte den letzten Rest seiner Kraft erschöpft, indem er nach der Tür kroch. Er wurde ungestüm gepackt und mit roher Gewalt in das Zimmer des Lehmhauses zurückgeschleudert; so konnten wir kein Wort mehr wechseln. Mein Kuli Man Sing aber wurde mit gefesselten Armen auf ein ungesatteltes Pferd gesetzt.

Der Sattel des Pferdes, auf das sie mich geworfen hatten, verdient beschrieben zu werden. Er war nur das hölzerne Gestell eines Sattels mit sehr hohem Rückenteil, aus dessen hinterm Teil sechs scharfe Eisenstacheln horizontal herausragten. Während ich auf diesem Folterinstrument saß, bohrten sich mir die Stacheln ins Kreuz.

Meine Wache war durch zwanzig oder dreißig berittene Soldaten mit Musketen und Schwertern vermehrt worden. In wütendem Galopp ritten wir ab. Da meine Hände hinter dem Rücken gefesselt waren, führte ein vor mir herreitender Mann mein Pferd an einem Stricke; so ritten wir viele Meilen durchs Land.

Wären jene furchtbaren Stacheln im Sattel nicht gewesen, so hätte der Ritt ganz angenehm sein können; denn das Pferd, auf dem ich saß, war ein schönes, lebhaftes Tier, und das Land ringsum war merkwürdig und interessant. Wir ritten an einer scheinbar endlosen Folge von gelben Sandhügeln entlang, deren einige 60 bis 100 Meter, während andere nicht mehr als 6 bis 10 Meter hoch waren. Es schien, als ob der Sand eher vom Winde als vom Wasser abgelagert worden sei, obgleich es auch möglich ist, daß dieses flache Land, das sich nur wenig über das Niveau des großen Stromes erhebt, einst unter Wasser gewesen ist. Mit Ausnahme gewisser Stellen, wo der Boden außerordentlich sumpfig war und unsere Pferde tief in den weichen Schlamm einsanken, war der ganze Raum zwischen dem Gebirgszuge im Norden des Brahmaputra und dem Flusse selbst mit diesen Sandhügeln bedeckt. Wir kreuzten mehrere kleine Flüsse und ritten um viele Teiche herum. Von dem Gipfel einer Anhöhe, auf die ich geführt wurde, konnte ich sehen, daß die Hügel in der Nähe des Flusses von größerem Umfang und bedeutend höher waren und immer kleiner wurden, je mehr sie sich dem Gebirgszuge im Norden näherten. Außerdem nahm ihre Zahl und Größe auch zu, je weiter wir nach Osten kamen.

Aquarellskizze von H. S. Landor.

F. A. Brockhaus, Leipzig.