Eine Festung und ein großes Lamakloster standen auf dem Gipfel eines Hügels, an dessen Fuß vor einem andern großen Gebäude das Prunkzelt des Pombo aufgeschlagen war. Der Name dieses Ortes war, soweit ich ihn später feststellen konnte, Namj Laccé Galschio oder Gyatscho.

Zwei oder drei Leute zogen mich ungestüm vom Sattel herunter. Die Schmerzen im Rücken, die die Stacheln verursacht hatten, waren furchtbar. Ich bat um einen Augenblick Ruhe. Sogar dies wurde mir von meinen Wächtern verweigert, die mich brutal vorwärts stießen und sagten, daß ich sofort enthauptet werden würde. Das ganze um mich versammelte Volk verhöhnte mich und machte mir Zeichen, daß mir der Kopf abgeschlagen werden würde; die feige Menge der Lamas aber überschüttete mich mit Beleidigungen aller Art. Ich wurde nach dem Richtplatze gedrängt, der sich auf der linken Seite des Zeltes befand.

Ein langer dreikantiger Balken lag auf dem Boden. Man stellte mich auf die scharfe Kante desselben, und mehrere Männer hielten mich fest, während vier oder fünf andere unter Aufbietung ihrer vereinten Kräfte meine Beine so weit auseinanderzogen, als möglich war. In dieser peinvollen Stellung festgehalten, wurden mir von den Unholden die Füße mit Stricken aus Jakhaaren an den Balken festgebunden. Mehrere Männer mußten diese Stricke anziehen, und zwar so fest, daß sie an verschiedenen Stellen um die Knöchel herum und an den Füßen tiefe Rinnen in Haut und Fleisch schnitten; viele von diesen Schnitten, die Dr. Wilson einige Wochen später maß, waren bis zu 8 Zentimeter lang!

Als ich so festgebunden war, kam der Schurke Nerba, der auf mich geschossen hatte, und ergriff mich von hinten bei den Haaren. Mein Haar war lang, da es seit mehr als fünf Monaten nicht geschnitten worden war.

Das Schauspiel vor mir machte einen tiefen Eindruck auf mich. Dort, bei dem Zelte des Pombo, standen in einer Reihe die schändlichsten Schurken, die meine Augen je gesehen haben. Der eine, ein kräftiges, widerwärtiges Individuum, hielt einen großen knotigen Holzschlegel in der Hand, der zum Zerbrechen der Knochen gebraucht wird; ein anderer trug einen Bogen und Pfeile; ein dritter hielt ein großes zweischneidiges Schwert, während wieder andere verschiedene gräßliche Folterinstrumente zur Schau stellten. Die nach meinem Blute dürstende Menge stellte sich in einem Halbkreise auf und ließ mich diese Parade der Martern sehen, die mich erwarteten, und als ich meine Blicke von einer Gestalt zur andern schweifen ließ, schüttelten die Lamas ihre Folterinstrumente, um zu zeigen, daß sie sich zur Tat rüsteten.

Am Eingange des Zeltes stand eine Gruppe von drei Lamas. Es waren die Musiker. Der eine hielt ein riesenhaftes Horn, das donnernde Töne von sich gab; von seinen Gefährten hatte der eine eine Trommel, der andere Becken. In einiger Entfernung schlug ein anderer Bursche auf ein ungeheures Gong.

Von dem Augenblick an, als man mich vom Pferde gerissen hatte, hallten die betäubenden Töne dieses diabolischen Trios durch das ganze Tal wider und machten das Schauspiel besonders unheimlich.

Jetzt wurde ein Eisenstab mit einem in rotes Tuch eingewickelten Holzgriff in einem Kohlenbecken rotglühend gemacht. Der Pombo, der sich wieder irgend etwas in den Mund gesteckt hatte, um künstliches Schäumen hervorzubringen und so seinen Grimm zu zeigen, arbeitete sich in einen Zustand wahnsinniger Wut hinein. Ein Lama überreichte ihm das jetzt rotglühende Folterinstrument, das Taram, und der Pombo nahm es am Griffe.

»Ngaghi kiu meht taxon! Wir wollen dir die Augen ausbrennen!« rief der Chor der Lamas.

Der Pombo schritt auf mich zu, indem er das gräßliche Instrument schwenkte. Ich starrte ihn an, aber er hielt seine Augen von mir abgewandt. Er schien zu zögern, doch die Lamas um ihn feuerten ihn an.