»Du bist in dieses Land gekommen, um zu sehen« (dies bezog sich auf das, was ich am Tage zuvor ausgesagt hatte, nämlich, daß ich ein Reisender und Pilger und nur gekommen sei, um das Land zu sehen). »Darum sollst du geblendet werden!« Mit diesen Worten erhob der Pombo seinen Arm und hielt mir den rotglühenden Eisenstab in einer Entfernung von 3 bis 5 Zentimeter quer vor die Augen, so daß er beinahe meine Nase berührte.

Instinktiv hielt ich die Augen krampfhaft geschlossen, aber die Hitze war so ungeheuer, daß es mir vorkam, als ob meine Augen, besonders das linke, ausgedörrt und meine Nase versengt würde. Obgleich die Zeit mir endlos schien, glaubte ich doch nicht, daß die heiße Stange in Wirklichkeit länger als etwa dreißig Sekunden vor meinen Augen war. Doch war dies schon lange genug, denn als ich meine schmerzenden Augenlider aufhob, sah ich alles in einem roten Nebel. Mein linkes Auge schmerzte mich furchtbar, und alle paar Sekunden schien es mir, als ob etwas Dunkles vor ihm das Sehen hinderte. Mit dem rechten Auge konnte ich noch ziemlich gut sehen, wenn auch alles, anstatt in seinen gewöhnlichen Farben, rot erschien.

Das heiße Eisen lag jetzt ein paar Schritt von mir auf dem feuchten Boden und zischte in der Nässe.

Als ich mit weit auseinandergereckten Beinen, an Rücken, Händen und Beinen blutend, dastand und alles in gräßlich roter Färbung sah, inmitten des betäubenden, wahnsinnig machenden Lärms des Gongs, der Trommeln, Becken und des Horns, von der feigen Menge beschimpft und angespien und von Nerba so fest an den Haaren gehalten, daß er mir ganze Hände voll aus dem Kopfe riß, hätte ich selbst meinen bittersten Feinden nicht wünschen mögen, sich je in einer ähnlichen Lage befinden zu müssen! Alles, was ich tun konnte, war, ruhig und gefaßt zu bleiben und mit scheinbarer Gleichgültigkeit die Vorbereitungen für die nächsten Qualen, die sie mir auferlegen wollten, und ihre Teufeleien zu beobachten.

»Miumta nani sehko! Töte ihn mit einer Flinte!« rief eine heisere Stimme.

Eine Luntenflinte wurde von einem Soldaten geladen, und als ich die Masse Pulver sah, die er in den Lauf schüttete, war ich sicher, daß sie dem, der sie abschießen würde, den Kopf kosten müsse. So sah ich denn auch mit einer gewissen Befriedigung, wie sie dem Pombo überreicht wurde. Dieser Beamte aber legte mir die Waffe gegen die Stirn, die Mündung nach oben gerichtet! Dann zündete ein Soldat die Lunte an. Es erfolgte eine Entladung, die meinem Kopfe einen kolossalen Stoß versetzte; die übermäßig geladene Flinte aber flog zu jedermanns Erstaunen dem Pombo aus der Hand.

Ich mußte lachen; und ihre Verwirrung, der sich die Enttäuschung über das Mißlingen aller Versuche, mich zu verletzen, beimischte, versetzte die Menge in rasende Wut.

»Ta kossaton, ta kossaton! Töte ihn, töte ihn!« riefen wütende Stimmen um mich.

»Ngala mangbo schidak majidan! Wir können ihn nicht schrecken!«

»Ta kossaton, ta kossaton! Töte ihn, töte ihn!« Das ganze Tal hallte von diesem wilden Geschrei wider!