Der arme Man Sing, der ganz entkräftet und von Schmerzen gepeinigt dicht neben mir saß und wie träumend auf den See blickte, hatte eine seltsame Vision, die vielleicht die Folge von Fieber oder Erschöpfung war.
Aquarellskizze von H. S. Landor.
F. A. Brockhaus, Leipzig.
DIE FESTUNG TAKLAKOT.
»O Sahib,« sagte er wie im Traume, obgleich er ganz wach war, »sieh, sieh! Sieh die Menge Leute, die auf dem Wasser gehen. Es müssen mehr als tausend Männer sein. O wie groß werden sie … Und da ist Gott … Siwa … Nein, es sind Tibeter, sie kommen uns zu töten, es sind Lamas! O komm, Sahib, sie sind so nahe … O sie fliehen!« …
»Wo sind sie?« fragte ich. Ich sah, daß der arme Bursche eine Halluzination hatte. Seine Stirn brannte, er hatte hohes Fieber.
»Sie sind alle verschwunden!« rief er, als ich ihm die Hand auf die Stirn legte und ihn aus seiner Verzückung weckte.
Einige Augenblicke schien er ganz betäubt zu sein, und als ich ihn später fragte, ob er die gespenstische Menge wiedergesehen habe, konnte er sich nicht erinnern, sie überhaupt gesehen zu haben.
Abends kamen die Eingeborenen, uns in dem Serai zu besuchen, und wir hatten vielen Spaß mit ihnen, denn die Tibeter sind voll Humor. Was uns anbetrifft, so war es nur natürlich, daß wir jetzt, da wir nur noch zwei Tagemärsche bis Taklakot hatten, bei sehr guter Laune waren. Nur noch zwei Tage Gefangenschaft, dann waren wir frei!