Beim Abschied forderte ich die Damen auf, sich am nächsten Tage bei mir zum Tee einzufinden. Der Nachmittag kam, und sie erschienen, als mir zu meinem Schrecken plötzlich einfiel, daß ich weder Tassen noch Löffel hatte. Etwas Tee besaß ich wohl, aber ich hatte keine Idee, in welcher Kiste er sich befand, und ich konnte ihn jetzt um keinen Preis herausfinden. Dies gab Miß Sheldon Veranlassung, sich mit der Bemerkung an Miß Brown zu wenden:

»Erinnert Mr. Landor Sie nicht an den andern exzentrischen Herrn, der voriges Jahr hier durchkam?«

In dem Augenblick, als Miß Sheldon diese Worte ausgesprochen hatte, wurde ihr der allerliebste Freimut ihrer Frage klar, und wir lachten alle herzlich.

»Sie müssen wissen, Mr. Landor,« warf Miß Brown ein, »wir sahen schon halb und halb voraus, daß Sie mit diesen Luxusartikeln nicht versehen sein würden, und deshalb haben wir unsere eigenen Tassen mitgebracht.«

Diese Nachricht war mir eine große Erleichterung.

Ein tüchtiger Block Schokolade von zirka 25 Pfund wurde statt des fehlenden Tees herbeigebracht und Tschanden Sing wurde beauftragt, mit einem Steine kleine Stücke davon abzuschlagen, was eine primitive, aber sehr wirksame Methode ist. Inzwischen kam das Wasser im Kessel ins Kochen, während meine beiden Besucherinnen es sich auf Packsattelkisten so bequem gemacht hatten, wie es unter den Umständen möglich war.

Die Teegesellschaft verlief ausgezeichnet, denn die Damen hatten sich nicht nur mit Tassen, sondern auch mit Löffeln, Kuchen, Butterbroten und Biskuits versehen!

Das Wetter wurde wieder regnerisch und kalt. Die Berichte, die mir über den Zustand der Wege weiter oben zukamen, waren nicht ermutigend.

»Die Straße ist ungangbar«, sagte mir ein alter Schoka, der eben von Garbyang gekommen war. »Der Lippupaß, über den ihr nach Tibet gehen wollt, ist noch nicht offen; es ist noch sehr viel Schnee auf ihm. Dann hat auch der Jong Pen von Taklakot in Tibet jetzt eine starke Wache von 300 Mann aufgeboten, um das Betreten des Landes durch Fremde zu verhindern. Die Dakus oder Räuber, die das Gebiet des Mansarowarsees heimsuchen, scheinen in diesem Jahre zahlreicher zu sein als je.«

»Da gehe ich ja einer recht lebhaften Zeit entgegen«, dachte ich bei mir.