Als wir den Weg weiter verfolgten und ich zurückblickte, hatte ich Gelegenheit, das prachtvolle Kalital mit seinen von hohen Schneegipfeln überragten gigantischen Felsen und Schluchten zu bewundern. Auf dem Tschaipaß verzeichneten meine beiden Aneroide eine Höhe von 3410 Meter.

Darcy Bura, der reichste Schokahändler aus Buddi, hatte hier ein Geschäftshaus für den Einkauf und Tausch von Borax, Salz, Wolle und andern aus Tibet kommenden Artikeln errichtet. Auf der linken Seite des Weges war eine große Felsenhöhle mit einer Mauer versehen und zum Teil überdacht worden zur Benutzung von »Weibersuchern« aus den Dörfern Buddi und Garbyang. Diese Häuser werden Rambang genannt und sind eine alte Institution unter den Schokas, von der ich später ausführlicher sprechen werde. Wie überall sind neben dem Passe einige hohe Pfähle mit fliegenden Gebeten und einer Glocke aufgestellt.

Meine Ankunft in Garbyang wurde von Hunderten von Männern, Weibern und Kindern beobachtet, die am Rande der flachen Lehmdächer ihrer Behausungen kauerten, während ein paar Dutzend Leute mir ehrfurchtsvoll nach meinem Lagerplatze jenseits des Dorfes folgten. Ein großes Zelt war für mich vom Bruder des Punditen Gobaria errichtet worden, der durch meinen Bankier in Almora von meinem Kommen in Kenntnis gesetzt worden war. Herr G., der stellvertretende Kommissar, kam später an.

Ich brannte darauf, sofort Vorbereitungen für das Betreten des tibetischen Landes zu treffen, aber meine Bemühungen, zuverlässige Begleiter zu gewinnen, waren von geringem Erfolg.

Einige Tage später erfuhr ich zu meinem Bedauern, daß der Plan meiner Reise, den ich mit so vieler Mühe und Sorgfalt geheimgehalten hatte, den tibetischen Behörden verraten worden war.

Ein Unglück kommt selten allein. Gegen meinen Willen war ich dem Rate gefolgt, in Almora eine gewisse Summe einzuzahlen, für welche ich einen Kreditbrief auf den Pundit Gobaria erhielt, einen reichen Händler in Garbyang, der mir den Betrag in Silber auszahlen sollte. Unglücklicherweise war Gobaria noch in Nepal, und niemand anders konnte einen Wechsel in dem von mir benötigten Betrage diskontieren. Dies war ärgerlich, um so mehr, als ich auf das Geld gerechnet hatte. Ich sandte augenblicklich einen Boten nach Almora, damit mir von dort die Summe in Silber zugeschickt würde. Hierdurch wurde die Sache offenkundig und damit gefährlich.

Eine Verzögerung war unvermeidlich; alle Pässe waren ungangbar, und täglich fiel neuer Schnee. Für einen einzelnen Reisenden war es mit bedeutenden Schwierigkeiten noch möglich, den Lippupaß zu überschreiten, aber Gepäck konnte nicht hinübergebracht werden.

Ich entschloß mich, einige Tage in Garbyang zu bleiben, und benutzte die Gelegenheit, mir ein großes tibetisches Zelt machen zu lassen, das als Obdach für mein Gefolge – wenn es mir überhaupt gelingen würde, eins anzuwerben – dienen sollte. Ich dachte, daß ich hierdurch vielleicht in freundliche Beziehungen zu den Eingeborenen kommen könnte, unter denen ich, wie ich hoffte, doch einige willige Begleiter finden würde.

Dr. H. Wilson von der Methodistenmission gab sich große Mühe bei dem Versuche, mir Leute zu verschaffen; aber obgleich er einen bedeutenden Einfluß in Bias und Tschaudas besaß, waren seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt.

Die Schokas wissen nur zu gut, wie grausam die Tibeter sind. Sie haben mehr als einmal unter ihnen gelitten, und noch in den letzten Jahren erlangte die britische Regierung durch Berichte ihrer Beamten Kenntnis von verschiedenen Fällen furchtbarer Tortur, die die tibetischen Behörden sogar an britischen Untertanen vorgenommen hatten, die auf unserer Seite der Grenze von ihnen gefangengenommen worden waren.