Als ich erfuhr, daß Dr. Wilson sich in Garbyang befand, machte ich ihm einen Besuch. Auf weichen chinesischen und tibetischen Matten und Decken sitzend, genossen wir eine Tasse Tee nach der andern und aßen Tschapatis dazu, als plötzlich das ganze Gebäude in der seltsamsten Weise sich zu schütteln und zu rütteln anfing, wobei die Tee- und Milchkanne umfielen und die Tschapatis in der ganzen Stube umherrollten.

Ich überließ es Dr. Wilson, unser kostbares Getränk zu retten, und zog Uhr und Kompaß hervor, um Dauer und Richtung des Stoßes festzustellen. Er war wellenförmig, sehr heftig und von Südsüdwest nach Nordnordost gerichtet. Das Erdbeben begann um 5 Uhr 20 Minuten nachmittags und endete um 5 Uhr 24 Minuten 2 Sekunden.

»Es scheint mir, daß wir klüger getan hätten, das Haus zu verlassen«, sagte ich. »Es ist ein Wunder, daß das Gebäude nicht eingestürzt ist. Meine Tasse ist voller Lehm von der Decke.«

»Ich habe den Tee für Sie gerettet!« sagte der Doktor und hob triumphierend die Teekanne empor, die er sorgfältig an sich gedrückt hatte. Er hatte meine Neigung für die gelbe Flüssigkeit schon entdeckt.

Wir setzten unsere Mahlzeit ruhig fort, als plötzlich eine Schar aufgeregter Schokas ins Zimmer stürzte.

»Sahib! Sahib! Wohin ist es gegangen?« riefen sie im Chor, die Hände nach mir ausstreckend und sie dann zum Zeichen des Gebetes faltend. »Sahib! Sage uns, wohin es gegangen ist.«

»Was?« fragte ich, durch ihre Angst belustigt.

»Hast du nicht gefühlt, wie die Erde bebte und zitterte?« riefen sie erstaunt aus.

»O ja, das ist aber weiter nichts.«

»Nein, nein, Sahib! Das ist die Ankündigung eines großen Unglücks. Der Geist unter der Erde erwacht und schüttelt seinen Rücken.«